Festgenommene Fans im Iran

»Hat die FIFA ihre eigenen Statuten gelesen?«

FIFA-Chef Gianni Infantino hat gesagt, er wolle versuchen, den iranischen Präsidenten Rohani zu überzeugen, das Verbot aufzuheben.
Vor genau vier Jahren hat Infantinos Vorgänger Sepp Blatter öffentlich genau dasselbe erklärt. Die Regierung sagte damals, sie wolle die Stadien auf den weiblichen Besuch vorbereiten. Infantino hätte bei seinem Besuch fragen müssen, was seither geschehen ist: Nichts! 

Mittlerweile hat der FIFA-Boss in einem offenen Brief seine Unterstützung für »Open Stadiums« ausgedrückt. 
Ich hoffe, der Druck zeigt Wirkung. Unsere Zeit ist gekommen!

Am Freitag fand die FIFA-Konferenz zu Gleichheit und Inklusion statt. 
Das macht mich wütend. Die FIFA wirbt mit etwas, was sie nicht einhält. Haben sie überhaupt ihre eigenen Statuten gelesen? Sie sprechen von Diversity und Gleichberechtigung, aber wenn es an der Zeit ist, das umzusetzen, vergessen sie es! Wenn wir uns über unseren iranischen Fußballverband beschweren wollen, müssen wir uns an die FIFA wenden. Aber wenn nicht einmal die FIFA ihre eigenen Regeln einhält, bei wem sollen wir uns dann beschweren? 

Das letzte Derby zwische Esteghlal und Persepolis, das Frauen live miterleben durften fand 1981 statt. 
Bevor ich überhaupt geboren wurde. 

Waren Sie überhaupt schon einmal im Stadion?
Wenn es im Iran internationale Spiel gibt, dürfen die Frauen des gegnerischen Teams ins Stadion. Sie dürfen – wir nicht! Bei einem Spiel gegen Südkorea versuchten wir vor der südkoreanischen Botschaft weibliche Fans auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Da sagten die iranischen Betreuer plötzlich, sie könnten versuchen, uns zusammen mit den Koreanerinnen ins Stadion zu schmuggeln. Und wir sind tatsächlich reingekommen. Ich war bis dahin noch nie in einem Stadion gewesen. Ein einzigartiger, unglaublicher Moment. Einfach großartig!  

Womit wird das Verbot begründet?
Zu dieser Zeit sagte man, es verstoße gegen islamische Gesetze als Frau ein Stadion zu besuchen, weil man Teile nackter Männerkörper sehen könnte. Das ist so dumm. Nachdem ich im Stadion war, wurde mir klar, dass man da gar nichts erkennen kann: Es ist viel zu weit weg! Das ist lächerlich! (lacht)

Was löst der Stadionbesuch bei Ihnen aus?
Die Atmosphäre: Ich bin glücklich. Für iranische Frauen gibt es nicht viele Orte, an denen wir unsere Energie rauslassen und einfach Spaß haben können. Das Stadion bietet für uns eine seltene Chance.