Felix Bastians über absurde Aufnahmerituale auf der Insel

»Ich war teilweise nur ein Monat bei einem Klub«

Sie waren danach bei sechs verschiedenen Vereinen. Warum?
Das ist in England üblich. Und ich finde es sehr gut, weil man als junger Spieler viel Spielpraxis auf gutem Niveau bekommt. Der Unterschied vom Jugend- zum Männerfußball ist schon extrem. Man lernt früh, sich durchzusetzen. Je niedriger man spielt, umso körperlicher wird gespielt. Das härtet ab. Deswegen haben mich die Ausleihen weitergebracht. Man lernt schnell, wie eine Mannschaft tickt. Man muss sich immer neu integrieren. Wenn man ein ordentlicher Spieler ist, kommt man in jeder Mannschaft zurecht. Der Ball muss zum Mitspieler und dann irgendwann ins Tor. Das Schöne in meinem Fall war, dass ich die komplette Zeit in Nottingham war und nie meinen Wohnort ändern musste. Ich habe bis Mittwoch in Nottingham trainiert und bin zwei Tage vorm Spiel zu der anderen Mannschaft rüber, habe dort das Abschlusstraining mitgemacht und dort gespielt.
 
Warum wurden Sie nicht komplett zu dem anderen Verein transferiert?
Weil ich dann hätte umziehen müssen. Der Trainer in Nottingham wollte, dass ich weiter dort trainiere, damit er mich vor Ort sehen kann und mitbekommt, wie ich mich entwickele. Außerdem wird das Training in England nicht so hoch bewertet wie in Deutschland, weil es mit den Spielen Schlag auf Schlag geht.
 
Gibt es aus Ihrer Sicht keinerlei Nachteile an diesem System?
Nur dass Leute, die das Modell nicht verstehen, sagen: Der springt vom einen Verein zum nächsten. In Deutschland stecken junge Spieler häufig fest und kommen nicht weiter. Dann muss man bis Januar oder bis zum Sommer warten, bis man sich ausleihen lassen kann. Und wenn es dann bei der Ausleihe auch nicht klappt, steckt man wieder fest. In England nutzt man die Zeit besser.
 
Sie hatten alleine 2007 vier Klubs. Wie ist das möglich?
In England gibt es eine Regelung, die sich Emergency Loan nennt. Dabei können Spieler auch außerhalb des Transferfensters an Klubs unterhalb der Premier League verliehen werden, um ihnen Einsatzzeit zu verschaffen. Man kann seine Spieler jederzeit zurückrufen. Deshalb war ich teilweise nur einen Monat bei einem anderen Klub. Mal kam der Verein auf mich zu, mal bin ich zum Trainer und habe gesagt, ich würde nächsten Monat gerne etwas häufiger spielen. Für Gillingham habe ich in der 3. Liga zum Beispiel nur eine Handvoll Spiele gemacht. Ich habe ein Tor geschossen und eines vorbereitet, da hat mich Nottingham sofort wieder zurückgeholt.
 
Aber warum haben Sie sich nie tatsächlich bei Nottingham durchgesetzt?
Das lässt sich nicht an einem Grund festmachen. Wir hatten sehr viele verschiedene Trainer. Ich habe unter Gary Megson mein Debüt gegeben, er war aber nur sehr kurz da. Unter Colin Calderwood war ich oft im Kader, hatte aber nur Teileinsätze. Das war mir persönlich zu wenig. Deswegen waren die Ausleihen die beste Option.
 
Fühlten Sie sich manchmal abgeschoben?
Nein. Aber zum Beispiel die Ausleihe zu den MK Dons hat sich für mich nicht rentiert. Ich bin immer ewig nach London gefahren und hatte dort genauso sporadische Einsätze wie bei Nottingham. Das würde ich im Nachhinein nicht nochmals so machen.
 
Aber Sie haben sich nie wie ein Gegenstand gefühlt, den man herumreicht?
Nein. Meine Mitspieler waren teilweise sogar noch bei viel mehr Vereinen. Mir hat es Spaß gemacht. Bei den meisten Vereinen habe ich mich wirklich wohl gefühlt. Es war immer eine neue Herausforderung. Und mir war es einfach wichtig, zu spielen.
 
Kannten Sie dann bei Ihren Abschieden überhaupt alle Namen Ihrer Mitspieler?
(Lacht.) Als ich dort gespielt habe, bin ich schon klargekommen. Jetzt wüsste ich nicht mehr alle.
 
Wie viele Trainingsanzüge haben Sie inzwischen im Schrank?
Ich hatte eine Menge. (Lacht.) Aber die hat alle mein Großvater bekommen. Er ist sehr gut ausgestattet.