FCK-Keeper Lennart Grill über seinen denkwürdigen Pokalabend

»Künftig doppelt und
dreifach umschauen«

Erst patzte Kaiserslauterns Torwart Lennart Grill im Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg böse, dann wurde er zum Helden im Elfmeterschießen. Wie seine Mitspieler ihn aufgebaut haben und welchen Anteil Gerry Ehrmann am Erfolg hat, erzählt er im Interview. 

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Lennart Grill, ist es Ihnen schon gelungen den verrückten Pokalabend am Mittwoch in irgendeiner Weise zu verarbeiten?
Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt verarbeiten kann. Da waren so viele Eindrücke, so viel Adrenalin im Spiel. Das wird wahrscheinlich für immer bleiben.

 

War es das größte Spiel, das Sie bislang erlebt haben?
Auf jeden Fall war es das emotionalste. Von 100 auf Null und dann wieder hoch auf 100.

 

Auf dem Tiefpunkt sind Sie in der 89. Minute angekommen. Sie führen mit Ihrer Mannschaft mit 2:1, stehen also kurz vor dem Einzug ins Achtelfinale. Nürnberg schlägt einen langen Ball in den Sechzehner, Sie fangen ihn...

... und lege mich erst einmal hin, um noch ein paar Sekunden von der Uhr zu nehmen. Dann gucke ich wie immer kurz über meine linke Schulter, sehe niemanden und lege mir den Ball auf den Fuß, um noch etwas mehr Zeit herauszuholen. Leider kommt dann von rechts hinter mir Michael Frey, schnappt sich den Ball und muss nur noch einschieben. Ein Schock! Ich habe mich komplett leer gefühlt.

 

War das Tor das Resultat eines Torwart-Fehlers oder ein besonderer Fall von Schlitzohrigkeit?

Klar, Frey macht das clever. Aber es ist natürlich ein Torwart-Fehler. Wenn ich den Ball nicht hinlege, passiert gar nichts. Da kann er noch so schlitzohrig sein.

 

Können Sie der Cleverness von Michael Frey im Nachhinein so etwas wie Bewunderung abgewinnen?
Nein. In erster Linie ärgere ich mich über meinen Fehler. In den nächsten Jahren werde ich mich wohl doppelt und dreifach umschauen, wenn ich den Ball in der Hand habe.

 

Hätten Sie die Abwehrspieler nicht auf Michael Frey aufmerksam machen müssen?

Die Ersatzspieler hinter dem Tor haben sogar gerufen. Aber unmittelbar vor der Westkurve hört man das natürlich kaum. Außerdem war ich so fokussiert, dass ich die Rufe der Abwehrspieler wahrscheinlich gar nicht mitbekommen hätte.

 

Unmittelbar nach der Szene kamen ihre Mitspieler dann aber zu Ihnen und haben Sie aufgebaut.

Das war in diesem Schockzustand extrem wichtig für mich.

 

Was haben Sie gesagt?

Sie haben gesagt: »Das ist jetzt passiert, scheiß drauf. Wir haben noch eine Verlängerung vor uns. Du kannst dieses Spiel für uns gewinnen. Jetzt erst recht!«