Ex-Kreisliga-Stürmer Hendrik Weydandt über seinen Weg in die Bundesliga


»Mit mir hatte der Zeugwart nicht gerechnet«

Haben Sie noch Kontakt zu ihren alten Kreisliga-Kumpels?
Ja. Aber leider schaffe ich es kaum noch zu Spielen auf den Sportplatz. Was mich ärgert, weil ich in dem Dorf sehr verwurzelt bin. Immerhin gibt es noch eine schöne WhatsApp-Gruppe mit den Munzeler Jungs. In der tauschen wir uns fast täglich aus.

Gibt es Kreisliga-Rituale, die Sie vermissen?
Natürlich vermisse ich Kleinigkeiten. Nach dem Training mal zwei Flaschen Bier trinken, am Wochenende noch mal losziehen. Das sind Vorzüge, die ich in der Kreisliga hatte. Aber ich bin gerne bereit, auf diese Vorzüge zu verzichten, wenn ich dafür in der Bundesliga spielen darf.

Was war das Höchste, was Sie in Ihrer Jugend gespielt haben?
Kreisklasse. Aber wir haben einmal den Sparkassen-Cup gewonnen und einmal die Stadtmeisterschaft! Zwei außergewöhnliche Erfolge für einen Verein wie Groß Munzel. Alles in allem ging es mir weniger um die Spielklasse, sondern um Dinge wie das Mannschaftsgefüge. Wir haben so viel außerhalb des Platzes gemacht. Das wollte ich nicht aufgeben.

Haben Sie deshalb auch als 14-Jähriger Hannover 96 abgesagt?
Unter anderem. Ich habe mich damals gemeinsam mit meinen Eltern für den sicheren Weg entschieden. Denn es ging nicht nur darum, die Mannschaft zu wechseln, sondern auch darum, dass ich ins Fußballinternat ziehe. Doch ich hatte den Wunsch, meine Schule fertig zu machen. Also bin ich bei meinen Freunden geblieben und habe weiter vor allem aus Spaß gekickt.


Bis Juli 2018 stürmte Hendrik Weydandt noch regelmäßig auf Dorfsportanlagen.   Foto: imago

Fast zehn Jahre später hat es mit Ihnen und Hannover 96 doch noch geklappt, im Sommer wechselten Sie von Regionalligist Egestorf in die U23 von 96. Wann haben Sie erfahren, dass Sie aus der zweiten Mannschaft zu den Profis beordert werden?
Am 04.07.2018 sind die Profis ins Trainingslager nach St. Peter Ording gefahren. 24 Stunden vorher bekam ich einen Anruf von Co-Trainer Volkan Bulut. Er sagte: »Du fährst mit.« Ein sehr unerwarteter Anruf. Am Anfang wusste ich gar nicht, was ich davon halten soll. Aber nach ein paar Minuten kam ich zur Besinnung und habe mich extrem gefreut. Ich dachte mir: »Ok, Hendrik, Du hast jetzt die einmalige Chance, eine Woche mit den Profis zu verbringen.«

Wussten Sie, wie man seine Tasche packt für so ein Profi-Trainingslager?
Nicht wirklich. Deswegen habe ich lieber gefragt, was ich einpacken soll. Was gut war, denn normalerweise braucht man als Profi fast nichts außer seiner Kulturtasche. Ich musste allerdings noch meine Fußballschuhe mitnehmen. Denn mit mir hatte der Zeugwart, der sich normalerweise um das Equipment kümmert, nicht gerechnet.

Wie ist das so, wenn man als Stürmer mit Kreisliga-Erfahrung zum ersten Mal in der Profi-Kabine auftaucht?
Das ist bei den Profis nicht anders als in der Kreisliga: Du fragst, wo du dich hinsetzen kannst und ansonsten hältst du als Neuer die Klappe. Am Anfang trittst du keinem auf die Füße, stellst dich hinten an und zeigst, dass du nicht hier bist, um anderen den Fußball zu erklären. Das sind ganz einfache, grundlegende Verhaltensregeln.