Eugen Polanski im Interview

„Es sieht nicht rosig aus“

Mönchengladbach steht derzeit nur auf einem enttäuschenden 14. Tabellenplatz. Darunter leidet auch die junge Karriere Eugen Polanskis. Als Jugendspieler ein Angebot des FC Chelsea ausgeschlagen zu haben, bereut er indes nicht.

Es heißt, Sie haben Ihre Beidfüßigkeit den Extra-Trainingsschichten mit Ihrem Vater zu verdanken. Wie hat er Sie trainiert?

Trainiert haben wir auf einem Rasenplatz nahe der holländischen Grenze, bei meinem Heimatverein Concordia Viersen. Es handelte sich um Technik-Training – Ball hochhalten und Dribblings. Und damals war es ihm sehr wichtig, dass ich links wie rechts gleichermaßen stark bin.

War Ihr Vater ein harter Hund?

Nein, das nicht. Aber er ist schon sehr anspruchsvoll. Er hat mich immer angespornt und mir neue Ziele gesteckt. Vor allem beim Umgang mit dem Ball. Aber es hat nicht lange gedauert, da war ich besser als er.

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Im Sommer 2003 war Chelsea an Ihnen interessiert. Warum sind Sie nicht gewechselt?

Es war nur ein kurzer Telefonkontakt. Damals war ich noch B-Jugendspieler, und es war die Zeit, als Mikael Forssell nach Gladbach gewechselt ist. Es bestand somit ohnehin Kontakt zwischen Chelsea und dem VFL.

Aber Sie hatten sicherlich kurz überlegt, ob Sie wechseln sollten, falls sich die Möglichkeit ergibt.

Natürlich war das eine große Ehre für mich. Und ich habe auch das ein oder andere Mal von Chelsea und den englischen Stadien geträumt. Jedoch war es mir zu gewagt, als Jugendlicher alleine in ein fremdes Land zu gehen.

Bereuen Sie es, dass Sie nicht den Mut bewiesen haben?

Keine Sekunde. Ich bin Profi bei meinem Lieblingsverein. Bis hierhin habe ich alles richtig gemacht. Ich spiele dort, wo ich das Fußball spielen gelernt habe. Und es war immer mein Ziel, den Durchbruch bei der Borussia zu schaffen. Außerdem kam ein halbes Jahr nach dem Kontakt zu Chelsea Roman Abramowitsch, das wäre also keine gute Konstellation gewesen.

Anfang der Saison hat der AS Monaco Interesse an Ihnen bekundet.

Ja, das stimmt. Es war in der Saison-Vorbereitung. Aber ich habe mitgeteilt, dass ich in Mönchengladbach bleiben möchte, weil ich hier Erfahrung sammeln kann. Daher habe ich erst gar nicht lange überlegt.

Sehen Sie Gladbach als klassischen Ausbildungsverein, als Sprungbrett?

Ich hoffe, dass ich mich beim VFL als Spielerpersönlichkeit weiterentwickeln kann und wir als Mannschaft hohe Ziele erreichen. Ich würde nicht behaupten, dass ich hier nur lernen kann und dann zu einem größeren Klub wechseln muss, um nach Höherem zu streben.

Ihre Traumvereine sind der HSV, Juve, Barca, Real, Milan und Chelsea. Bei welchem dieser Klubs werden Sie einmal landen?

Das sind natürlich super Vereine und ein Traum für jeden Fußballer. Aber ich setze mir nicht das Ziel in den nächsten Jahren bei einem dieser Vereine zu landen. Eher versuche ich meine Leistung zu bringen, alles andere kommt von alleine. Daher stellt sich diese Frage gar nicht.

Sie sind ein Gladbacher Eigengewächs. Aber sind Sie auch ein waschechter Borusse?

Ja, natürlich. Ich war damals mit meinem Vater so oft es ging am Bökelberg in der Nordkurve. Außerdem sind wir beide Mitglieder bei der Borussia. Dieser Verein liegt mir sehr am Herzen und ich habe ihm viel zu verdanken.

Und jetzt spielen Sie selber dort.

Ja, ein absoluter Traum.

Wer sind Ihre größten Bezugspersonen im aktuellen Gladbach-Team?

Vor allem Kasey Keller und Thomas Helveg sind schillernde Persönlichkeiten, von denen man viel lernen kann.

Seit dem Weggang von Effenberg fehlt der Borussia ein Wortführer auf dem Platz. Warum übernehmen Sie diesen Job nicht, immerhin fehlt es Ihnen nicht an Persönlichkeit.

Noch fehlt es mir an Erfahrung und Cleverness, daher bin ich nicht derjenige, der auf dem Platz der Leitwolf ist. In diese Rolle muss man hineinwachsen, das geschieht nicht von heute auf morgen.

Aber Sie waren Kapitän in fast allen Jugendmannschaften der Borussia und Auswahlmannschaften des DFB.


Bereits in der Jugend habe ich gelernt, dass man Verantwortung übernehmen muss. Natürlich war es immer eine Ehre für mich, Kapitän zu sein. Ganz gleich ob beim VFL oder beim DFB. Aber jetzt muss ich mich erst einmal in der Bundesliga etablieren.

Wie lange wird es dauern, bis Sie in Gladbach die Binde tragen?

Es ist egal, wer Kapitän ist. An die Binde verschwende ich keinen Gedanken.

Für diese Saison war Ihr Durchbruch beinahe schon vorprogrammiert. Woran liegt es nun, dass Ihre Entwicklung ins Stocken gerät?

Im Moment sieht es nicht gerade rosig aus. Wir haben als Team eine schwierige Situation, die für mich jedoch sehr lehrreich ist. Schließlich lernt man aus Fehlern am meisten.

Zur Lage der Borussia: sportliche Konzeptlosigkeit, fehlende spielerische Mittel, keine Hierarchie im Team, ungeduldige Fans und eine ehrgeizige Vereinsführung. Muss man sich Sorgen machen?


Wir arbeiten hart an uns und wissen, dass nicht alles so schlecht ist, wie es die Presse darstellt. Natürlich ist uns klar, dass es so nicht weitergeht.

Auswärtsspiele in Stuttgart und München stehen vor der Türe. Haben Sie die Hinrunde bereits abgehakt?

Nein, das sicherlich nicht. Dann wären wir Fehl am Platz. Wir glauben an uns und werden da unten wieder rauskommen.

Was muss sich denn dazu verbessern?

Ganz einfach, wir müssen besseren Fußball spielen. Wenn das der Fall ist, kommt der Erfolg von ganz alleine.

Die Fans murren in letzter Zeit recht häufig. Sind sie zu ungeduldig oder überkritisch?

Die Erwartungshaltung wird von Jahr zu Jahr größer. Nun wurde im Vorfeld der Saison vom UEFA-Cup gesprochen. Und diese Erwartung konnten wir bislang nicht erfüllen. Doch wenn wir besseren Fußball spielen, hören auch die Pfeifkonzerte auf.

Spricht der 61-jährige Heynckes die gleiche Sprache wie ein 20-jähriger Polanski?

Das Alter spielt keine Rolle. Gerade die jungen Spieler können sehr viel von ihm lernen. Er will nur das Beste für die Mannschaft, ist sehr akribisch, anspruchsvoll und nicht leicht zufrieden zu stellen. Wenn wir trainieren, dann mit tausendprozentigem Einsatz.

Zu guter Letzt: Sie und Ihr Vater tragen denselben Vornamen. Wie nennt Frau Polanski ihren Mann und wie ihren Sohn?

Mittlerweile wohne ich nicht mehr zu Hause. Daher ist das Problem gelöst. Aber wenn ein harscher Ton vorherrschte, war immer mein Vater gemeint. Denn ich bin ganz klar der Liebe in der Familie.