Englischer Ex-Profi Andy Woodward im Interview

»Mein Trainer missbrauchte mich jeden Tag«

Andy Woodward sprach als erster Ex-Profi öffentlich über seine dunkle Kindheit: Er wurde hunderte Mal von seinem Jugendtrainer Barry Bennell missbraucht. Im Interview erzählt er seine Geschichte.

Dave Imms
Heft: #
185

Der ehemalige Zweitliga-Profi Andy Woodward spielte von 1992 bis 2002 unter anderem für Crewe Alexandra, Bury und Sheffield United. Im November des vergangenen Jahres berichtete der heute 44-jährige Woodward in englischen Medien darüber, in seinen Jugendjahren bis Mitte der neunziger Jahre von seinem Trainer bei Crewe missbraucht worden zu sein. Daraufhin gingen unzählige ehemalige Fußballer an die Öffentlichkeit, über 500 Anzeigen gingen bei der Polizei ein. Jüngsten Zahlen zufolge sind fast 250 Fußballvereine von dem Missbrauchsskandal betroffen.

Der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung bietet ein „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ an: 0800-2255530. Weitere Anlaufstellen finden Sie hier.


Andy Woodward, hätten Sie damit gerechnet, was Ihre Geschichte auslösen würde?
Ich habe während der vergangenen Monate jeden Tag Anrufe und Nachrichten bekommen. Es war überwältigend. Ein Mann, der als Junge ebenfalls missbraucht worden war, rief mich an und erzählte, dass er unmittelbar kurz vor dem Selbstmord gestanden hatte. Dann sah er im Fernsehen ein Interview mit mir, setzte sich und ließ glücklicherweise von seinem Plan ab. Diese Geschichte war für mich unglaublich. Wir stehen bis heute in Kontakt.

Warum sind Sie an die Öffentlichkeit gegangen?
Ich war in den vergangenen Jahren in Therapie. Mein Therapeut riet mir dazu, das Geschehene zu verarbeiten, indem ich es aufschreibe. Nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, aber für mich persönlich zur Aufarbeitung. Genau in dieser Zeit kam ich zufällig in Kontakt mit Daniel Taylor vom „Guardian“ und erzählte ihm meine Geschichte. Doch ich überlegte bestimmt einen Monat lang, ob das Ganze in der Zeitung stehen sollte.

Wie verlief für Sie der Tag, bevor Ihre Geschichte im »Guardian« erschien?
Ich sprach mit meinen Kindern und meiner Lebenspartnerin, um alle darauf vorzubereiten. Ohne ihre Unterstützung hätte ich es nicht durchgestanden. Außerdem telefonierte ich mit Neil Warnock und Stan Ternent, zwei meiner langjährigen Trainer. Ich war aufgelöst durch all die Aufregung, ich weinte. Doch die beiden haben mich bestärkt und gesagt: „Andy, du musst das machen. Du musst dem Ganzen ein Ende setzen.“ Ich wusste tief in mir, dass es der richtige Schritt war. Die Geschichte erschien dann sogar auf der Titelseite. Beim „Guardian“ kamen sie gar nicht nach, all die Telefonanrufe zu beantworten.

Hat sich Ihr ehemaliger Verein Crewe Alexandria bei Ihnen gemeldet?
Crewe hat sich bis heute weder bei mir noch bei anderen Opfern gemeldet. Es geht nicht darum, Schuld einzugestehen, aber um eine Geste des Respekts. Immerhin haben sie eine unabhängige Untersuchung eingeleitet. Wobei das alle Vereine in England nun auf Anordnung des Verbands tun müssen.

Können wir darüber sprechen, was sich genau während Ihrer Zeit als Jugendspieler bei Crewe Alexandra abspielte?
Ja, nur zu. Fragen Sie.

Wann kamen Sie zu diesem Klub?
Mit elf Jahren spielte ich noch bei meinem Lokalverein in Stockport. Aber es war immer mein Traum, Fußballprofi zu werden. Unser Trainer sagte mir vor einem Spiel, dass ein berühmter Scout vorbeischauen würde, nur um mich spielen zu sehen. Der Name dieses Scouts war Barry Bennell. An diesem Tag wuchs ich über mich hinaus, ich machte das Spiel meines Lebens. Bennell sagte danach meinen Eltern, er könnte mir ein Probetraining bei Crewe, dem damaligen Drittligisten, vermitteln. Ich war hin und weg.

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