Emil Kostadinow über Bayern und Bulgarien

Wer gab damals den Ton in der Mannschaft an?
Ganz klar Lothar Matthäus. In München trug Lothar nicht nur die Kapitänsbinde, er war auch der unumstrittene Boss auf dem Platz. Er stand ganz oben in der Nahrungskette, sein Wort war Gesetz.

Haben Sie Matthäus, der ja später sogar mal für kurze Zeit bulgarischer Nationaltrainer wurde, trotzdem mit dem gewonnenen WM-Viertelfinale aufziehen können?
Aber natürlich! Lothar gefiel dieses Thema selbstverständlich ganz und gar nicht, aber wie jeder andere Deutsche ist er gut erzogen und wusste schon damals, dass Sieger immer respektiert werden müssen (lacht).

Mit den Bayern erreichten Sie 1996 das Uefa-Cup-Finale. Kurz zuvor wurde Rehhagel gefeuert und durch Franz Beckenbauer ersetzt. Was für ein Trainer war der »Kaiser«?
Beckenbauer ist eine echte Fußball-Legende. Der brauchte nur wenige Worte, um seine Spieler zu motivieren. Vor dem zweiten Finalspiel gegen Girondins Bordeaux sagte er zu mir nur diese fünf Worte: »Du hast mein volles Vertrauen.« In der 66. Minute gelang mir das 2:0, wir gewannen 3:1 (Das Hinspiel hatten die Bayern mit 2:0 gewonnen, d. Red.) und holten den Pott.



1996 wechselten Sie zu Fenerbahce Istanbul. Warum blieben Sie nicht länger bei den Bayern?
Ich war ja lediglich ausgeliehen, Deportivo und der FC Bayern konnten sich letztlich nicht über einen endgültigen Transfer einig werden und ich verließ München. Das habe ich damals sehr bedauert.

Von 1999 bis 2000 spielten Sie noch einmal in Deutschland und beendeten Ihre Karriere schließlich beim FSV Mainz. Haben Sie noch irgendwelche Erinnerungen an Ihren damaligen Mitspieler Jürgen Klopp?
Kloppo spielte ja bereits seit 1990 bei den Mainzern, als ich dazu kam, war er Kapitän und längst zu einer Art Trainer auf dem Platz geworden. Als Fußballer war er genauso emotional wie heute als Trainer – nur, dass er sich dort häufig zurückhielt, sonst hätte er vermutlich in jeder Partie eine Rote Karte gesehen (lacht).