Emil Kostadinow über Bayern und Bulgarien

»Matthäus war der Boss«

Wer kennt noch Emil Kostadinow? 1994 schmiss er mit seinen Bulgaren Deutschland aus der WM, 1995 wechselte er zum FC Bayern. Wir baten ihn zum Interview.

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Emil Kostadinow, erinnern Sie sich noch, ob Sie gut geschlafen haben in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1994?
Sie meinen, weil wir am 10. Juli im WM-Viertelfinale auf Deutschland trafen? Ich kann Sie beruhigen, ich war nicht aufgeregt und der Rest der Mannschaft auch nicht. Schließlich hatten wir unser Minimalziel bereits erfüllt: Den ersten bulgarischen WM-Sieg überhaupt einfahren. Unser zweites Gruppenspiel gegen Griechenland gewannen wir mit 4:0. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich schlief wie ein Stein.

Deutschland war amtierender Weltmeister – haben sie auf bestimmte Rituale gesetzt, um das Glück auf Ihrer Seite zu wissen?
Na ja, einige Jungs ließen ihre Bärte im Laufe des Turniers wachsen. Das war es aber auch schon.

In der 48. Minute erzielte Lothar Matthäus das 1:0 per Elfmeter. Was ging Ihnen da durch den Kopf?
Ich bewahrte die Ruhe, das war das Wichtigste in diesem Moment. Gut, man dreht nicht jeden Tag ein Spiel gegen den amtierenden Weltmeister, aber ich und meine Mitspieler glaubten fest daran, dass wir das Spiel für uns entscheiden konnten. Und letztendlich geschah es genau so: Hristo Stoichkov und Yordan Letchkov schossen uns schließlich ins Halbfinale.

Dort verlor Bulgarien knapp mit 1:2 gegen Italien. Später machten Verschwörungstheorien die Runde, dass die Fifa einer kleinen Fußball-Nation wie Bulgarien niemals den Einzug ins Finale gestattet hätte und deshalb am Sieg der Italiener beteiligt gewesen sein soll. Ihre Meinung?
Wenn es solche Tendenzen gegeben hätte, hätten wir ja erst gar nicht für diese WM qualifizieren dürfen. Im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Frankreich gelang uns der Sieg erst in letzter Minute. Der Schiedsrichter im WM-Halbfinale hatte zwar keinen großartigen Tag erwischt – er verweigerte uns einen Elfmeter – aber wirklich skandalös war die Leistung seines Kollegen (Jamal Al Sharif aus Syrien, d. Red.) im Achtelfinale gegen Mexiko (Bulgarien gewann mit 4:2 nach Elfmeterschießen, d. Red.). Der wirkte auf mich stark verwirrt.

Ein halbes Jahr nach der WM in den USA unterschrieben Sie beim FC Bayern. Wie kam es zu diesem Transfer?
Soviel ich weiß, wollten mich Franz Beckenbauer und Giovanni Trapattoni noch im Sommer nach der WM von Porto nach München bringen, doch der Wechsel platzte. Ich ging zu Deportivo La Coruna, aber einige Monate später war der Deal mit den Bayern dann doch perfekt, allerdings wechselte ich auf Leihbasis nach München. Kurz danach wurde Trapattoni entlassen und Otto Rehhagel kam als neuer Trainer.

Damals kursierten Gerüchte, dass Ihr Verhältnis mit Rehhagel nicht das beste gewesen sein soll. Stimmt das?
Das ist alles Quatsch. Rehhagel kannte meine Qualitäten noch aus seiner Zeit als Trainer von Werder Bremen. 1994 besiegte mein FC Porto den SVW mit 5:0 in der Champions League, ich schoss ein Tor. Ich glaube, Rehhagel schätzte mich sehr, allerdings war die Konkurrenz auf den Stürmer-Positionen mit Spielern wie Jürgen Klinsmann, Alexander Zickler und Jean-Pierre Papin extrem.