Drei Schalke-Fans fragen - Benedikt Höwedes antwortet

»Die Jungs schwärmen von Tedesco«

Detlef: Geht ihr Spieler heute überhaupt noch ein Bier trinken?

Höwedes: Klar, natürlich nicht regelmäßig, aber wenn ich Lust auf ein Bier habe, lasse ich mir das nicht verbieten.

Detlef: In den siebziger Jahren kam Schalkes Spieler Aki Lütkebohmert in der Halbzeitpause an mir vorbei, nahm meine »Rote Hand« (Zigarette der Marke Roth-Händle, die Red.), zog daran und lief auf den Platz zurück.

Höwedes: Ohne Namen zu nennen – als ich als Jugendspieler zu den Profis hochkam, rauchten auch noch einige Spieler in der Halbzeitpause. Das waren komischerweise trotzdem echte Laufwunder. Ein Trainer hat uns auch mal gesagt: »Ihr könnt saufen, rauchen und fressen – solange ihr Leistung bringt!«

Detlef: Gut, die meisten Spieler haben dafür keine Zeit, weil sie nur beim Friseur rumhängen.

Höwedes: So denkst du also von uns! (Lacht.) Ich gehe erst zum Friseur, wenn die Haare über den Ohren hängen. Das war es aber auch, ich lasse mir jedenfalls nichts einritzen. Das muss jeder Spieler für sich wissen. Mir ist aber mal aufgefallen, dass ich fast der Einzige in der Kabine ohne Tattoos bin. Die meisten anderen sind von oben bis unten vollgekleistert ...

Detlef: … und dazu diese grässlichen bunten Schuhe.

Höwedes: Darauf haben wir keinen großen Einfluss. Die meisten Spieler besitzen einen persönlichen Ausrüstervertrag und bekommen vorgeschrieben, dass sie das neueste Modell tragen müssen. Selbst wenn ein Schuh schwarz- gelb wäre, müssten wir über unseren Schatten springen. Da kann man sich leider keine Copa Mundial aussuchen.

Astrid: Wie viele Paar Schuhe verbrauchst du in einer Saison?

Höwedes: Schwierig zu sagen, so viele sind es aber gar nicht. Ich achte da schon auf eine gute Pflege. Ich putze meine Fußballschuhe auch selbst.

Astrid: Lass uns mal auf die anstehende Saison schauen. Wie ist dein Eindruck vom neuen Trainer?

Höwedes: Ich konnte wegen meiner Verletzung bislang noch kein Training mitmachen, aber die Jungs schwärmen in der Kabine von ihm. Die Übungen sind abwechslungsreich, der Trainer korrigiert einerseits, lässt aber andererseits auch Freiräume. Er findet da einen guten Mittelweg. Mein Eindruck vom neuen Trainer ist sehr positiv.

Astrid: Ich bin oft beim Training. Ich finde, die Stimmung ist jetzt ganz anders.

Höwedes: Die Stimmung ist gut. Das nehme ich auch so wahr. Wichtig ist, dass wir dem neuen Trainer Zeit geben. Wir brauchen Ruhe auf Schalke – und die kommt durch Kontinuität.

Janek: Ist es ein Problem für dich, dass der Trainer so jung ist?

Höwedes: Er ist nur zwei Jahre älter als ich, aber das spielt keine große Rolle. Solange ein Trainer Präsenz und Autorität zeigt, ist das Alter unwichtig. Entscheidend ist die fachliche Kompetenz.

Astrid: Bin gespannt, wann der Erste wieder von der Champions League faselt.

Höwedes: Darüber brauchen wir erst mal nicht sprechen. Das wäre der größte Fehler. Wir hatten auch in diesem Jahr wieder einen großen Umbruch. Damit meine ich nicht nur den Trainer. Wir haben auch Spieler wie Huntelaar und Kolasinac verloren, die enorm wichtig für die Truppe waren. In diese Rolle müssen andere erst mal hineinwachsen. Wichtig ist, dass wir, Spieler und Fans, optimistisch in die Saison gehen und wieder an einem Strang ziehen. Mir hat imponiert, wie Fans, Vorstand und das Umfeld auch in der schwierigen vergangenen Saison die Ruhe bewahrt haben. Das muss der Weg sein. Und wir müssen dafür sorgen, dass der Funke überspringt.

Astrid: Wie sehen denn deine Pläne für die Zeit nach der Karriere aus? Spielst du dann wieder für deinen Heimatverein TuS Haltern?

Höwedes: Dann aber nur bei den Alten Herren. Und nur im Training. Im Spiel muss man sich bloß dumme Sprüche anhören und wird wahrscheinlich regelmäßig weggetreten. Aber Lust hätte ich auf jeden Fall, wieder zusammen mit Metze (Christoph Metzelder, d. Red.) zu kicken. Ich hoffe mal, dass der dann noch geradeaus laufen kann.

Detlef: Irgendwie bemerkenswert, dass so viele Profis aus Haltern stammen.

HÖWEDES: So richtig erklären kann ich mir das auch nicht.

Astrid: Ich schaue dort häufig meinem Patenkind zu und kann sagen: Die Bratwurst beim TuS Haltern ist überragend.

Höwedes: (Lacht.) Ja, vielleicht ist das der Grund, dass dort so viele Jungs Profifußballer werden.