Drei-Fragezeichen-Sprecher Oliver Rohrbeck über Fußball-Fälle

»Ich gehe mit Bela B. immer zum FC St. Pauli«

Welche ist Ihre Lieblingsmannschaft?
Ich habe zwei: Hertha BSC und St. Pauli. Ich besitze für beide Vereine eine Dauerkarte und fahre regelmäßig auswärts mit. Auch wenn es bei meinen Mannschaften nicht so oft auswärts etwas zu feiern gibt. Wobei: Mit Hertha habe ich tatsächlich einige erfolgreiche Auswärtsspiele erlebt, letztes Jahr in Bremen – und eine Zeit lang waren wir erstaunlicherweise in Dortmund sehr erfolgreich. 

Wie kommt es, dass Sie zwei Vereinen die Daumen drücken?
Mein Vater hat mich in den siebziger Jahren oft mit zu Hertha genommen. Das prägt natürlich. Den Schlüsselmoment hatte ich allerdings im Winter 1976. Damals wurde ich von der Schauspielerin Brigitte Grothum, eine der »Drei Damen vom Grill«, zur Hertha-Weihnachtsfeier eingeladen. Ihr Mann war damals Mannschaftsarzt, sie sollte auf der Feier Sketche aufführen. Dafür brauchte sie aber noch einen kleinen Jungen als Stichwortgeber. Die Wahl fiel auf mich, weil sie mich von meinen Schauspielauftritten kannte. Also haben wir auf der Feier Wacker 04 und Tennis Borussia (West-Berliner Vereine, d. Red.) runtergemacht. Ich durfte später mit Erich Beer am Tisch sitzen und bekam ein Trikot geschenkt. Da ist es natürlich passiert. 

Wie war es bei St. Pauli?


Seit 1979 bin ich unter anderem für »Die Drei ???« so oft in Hamburg, dass ich dort sehr viele Freunde gewonnen habe. Sie haben mich zu St. Pauli mitgenommen. Es ist natürlich eine ganz andere Atmosphäre, ein anderes Publikum, aktiver Kiezfußball, die Fans stehen gemeinsam gegen Rassismus und Homophobie ein. Auf St. Pauli wird auch die Hymne der Gegner gespielt, selbst bei Hansa Rostock. Wir haben mit zehn Leuten eine Dauerkartengruppe, unter anderem mit Bela B.


Oliver Rohrbeck wurde 1965 in Berlin geboren. Seit 1979 leiht er Drei-Fragezeichen-Detektiv Justus Jonas seine Stimme. Er ist außerdem Synchronsprecher von Ben Stiller und Gründer der Lauscherlounge. (Bild: Christian Hartmann)

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Ich hatte mit Bela bei einem Film zusammengearbeitet: »Paul – ein Alien auf der Flucht«. Bei den Aufnahmen sah er meine Computertasche mit dem Logo des FC St. Pauli. Wir kamen ins Gespräch und er sagte, dass er sich zwei Dauerkarten leiste – eine, wenn mal ein Kumpel mitwill. Er sagte, ich könne die zweite gerne mal übernehmen. Bereits am folgenden Wochenende saßen wir zusammen auf der Gegengerade.

Für wen sind Sie, wenn St. Pauli gegen Hertha spielt?
Da sage ich, dass der Bessere gewinnen soll. Hertha brauchte beim letzten Aufeinandertreffen die Punkte dringender für den Aufstieg, da war der Sieg für Hertha vollkommen in Ordnung. Diese Spiele kann ich ganz entspannt schauen, das ist bei den anderen Spielen anders. Da fahre ich schon mal aus der Haut.

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Und dann drehen sich die Fans im Block überrascht um und fragen: »Justus...«?
(Lacht.) Das passiert schon mal. Mittlerweile kennen mich viele auch als Oliver. Ich werde schon erkannt, aber nicht so oft angesprochen.

Wie schaffen Sie es bei den ganzen Terminen, zwei Klubs zu folgen?
Das kann hektisch werden. Sehr oft haste ich samstags vom Stadion direkt zu einer Lesung. Schlimm ist es immer, wenn die DFL die Spielpläne so spät rausgibt. Ich habe schon Anfragen für Lesungen im März 2017, da muss ich immer sagen: »Ich habe aber den Spielplan noch nicht.« Wenn ich die Spiele verpasse, gebe ich meine Karten an Freunde weiter.

Sie sind ein Mann, der mit seiner Stimme arbeitet. Welchen Fußball-Kommentator mögen Sie?
Bela Rethy. Auch wenn viele das nicht so sehen. Auch Steffen Simon von der ARD finde ich super. Ein absolut rotes Tuch ist für mich hingegen Reinhold Beckmann, der unkt schon nach kurzer Zeit zu viel rum. Auch Sabine Töpperwien im Radio kann ich nicht so gut hören.

Haben Sie ein Faible für die Schlusskonferenz im Radio?
Na klar, das macht Spaß. Bei der EM habe ich die Spiele zwar im Fernsehen verfolgt, aber wenn ich mal auf die Toilette musste, habe ich dort Inforadio laufen lassen, damit ich keine Sekunde verpasse.

Welcher Nationalspieler hat Hörspielpotenzial?
Özil eher nicht, so gut ich ihn auch als Spieler finde. (Überlegt.) Es ist Müller, eindeutig. Mit seiner Art zu reden, seinem Humor, das passt super. Er quatscht frei weg. Kahn wäre es früher auch nicht gewesen, jetzt durch den Welke hat er sich verbessert. Also: Mit Thomas Müller und Oliver Kahn könnte ich mir eine »Drei-???«-Folge gut vorstellen.

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