Dragoslav Stepanovic über Roter Stern Belgrad

»Es wurden Spiele verschoben«

Sie selbst spielten in den 70er Jahren bei Roter Stern, als der Verein noch zu den Top-Klubs im europäischen Fußball zählte.

Roter Stern war für damalige Verhältnisse ein sehr gut organisierter Verein, mit einem phantastischen Publikum. Zu unseren Spielen kamen 80.000, 90.000 Zuschauer ins Stadion. Aber die Ansprüche der Zuschauer waren auch sehr hoch. Die Leute haben immer erwartet, dass wir Meister werden, den Pokal holen und am besten noch einen europäischen Wettbewerb gewinnen. Es gab auch eine sehr, sehr schwere Phase während meiner Zeit bei Roter Stern. Ich hatte mich gerade von einer Verletzung erholt, da kam ein Brief. Ich dachte, ich muss sterben. Da stand, dass ich zur Armee muss. Eigentlich für ein Jahr. Weil ich zwei Kinder hatte, sind mir drei Monate erlassen worden. Neun Monate ohne Training und ohne Ligaspiele. Ich war mir sicher, dass das mein Karriereende ist. Aber das war es nicht. Ich kam zurück und bin mit Roter Stern noch Meister geworden.

Auf internationaler Ebene stellte sich für Roter Stern Belgrad erst 1991 der erhoffte Sieg ein. Die Startruppe um Prosinecki holte sich im Finale gegen Marseille den Europapokal der Landesmeister.

Nachdem man Bayern im Halbfinale ausgeschaltet hatte. Damals hat Roter Stern in München gewonnen. Prosinecki, Savicevic, Pancev,  Mihajlovic - die Mannschaft war topbesetzt.

Dann kam der Bürgerkrieg...

Und die Mannschaft fiel komplett auseinander. Vorher hat der Klub immer nur einzelne Spieler an die europäischen Topklubs verloren. Zu meiner Zeit durfte man erst mit 27 ins Ausland gehen. Ich war 28, als ich zu Eintracht Frankfurt wechselte. Hat ein Spieler Roter Stern verlassen, wurde er ersetzt durch ein serbisches Talenten oder einen Spielern aus dem restlichen Jugoslawien. Das passierte immer wieder und war kein Problem. Aber dann hat sich die ganze Mannschaft aufgelöst. Es hat ewig gedauert, bis sich der Verein erholt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert.

Sie selbst sind später als Trainer in Ihre Heimat zurück gekehrt und arbeiteten bei mehreren serbischen Klubs.

Ich habe dort sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Während und nach der Kriegszeit haben die falschen Leute die Führung in den Vereine übernommen. Leute, die mit dem Krieg Geld verdient haben. Es wurden Spiele verschoben. Und es sind kaum noch Zuschauer gekommen. Viele Leute konnten es sich einfach nicht mehr leisten, ins Stadion zu gehen. Inzwischen sind die Klubs wieder in den richtigen Händen. Insgesamt geht es den Menschen in Serbien wieder deutlich besser. Die Löhne steigen, ausländische Firmen investieren. Das macht sich auch in den Zuschauerzahlen in den Fußballstadien bemerkbar.