Doku über Köln-Legende Heinz Flohe

»Ein Vorbild für Reus und Götze«

Die Dokumentation »Der mit dem Ball tanzte« beleuchtet das Wirken von Heinz Flohe. Regisseur Frank Steffan ist sich sicher: Ohne die Pionierarbeit des Kölners hätte es Spieler wie Reus oder Götze nicht gegeben.

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Frank Steffan, Sie haben einen Film über den Fußballer Heinz Flohe gedreht. Wie kam es zu dieser Idee?
Ich bin gebürtiger Kölner und habe Heinz schon als Kind bewundert, er war damals das Maß aller Dinge. Bei Heimspielen hingen wir am Zaun und versuchten später nachzuspielen, was er zuvor gezaubert hatte. Später habe ich ihn auch persönlich kennengelernt, und ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm aufgebaut. Nach seinem tragischen Tot im vergangenen Jahr (nach einem Sturz im Jahr 2010 fiel Flohe ins Wachkoma und verstarb schließlich im Juni 2013, d. Red.) blieb der Kontakt zu seiner Witwe und seinem Sohn bestehen. Daraus ist letztlich auch die Idee entstanden, sein Lebenswerk als Fußballer zu würdigen.

Flohe ist im Rheinland eine Legende, bundesweit jedoch nur wenig bekannt.  Worauf beruht sein regionaler Kultstatus?
Flohe war der Kapitän jener Kölner Mannschaft, die 1978 das Double holte. Alles, was in diesem Leben jenseits der Erfolge geschah, ist nicht wirklich bekannt. Dabei besteht sein Lebenswerk nicht aus den Titeln, sondern aus seinen technischen Fähigkeiten, mit denen er den deutschen Fußball grundlegend veränderte. Er brachte die Kreativität in den deutschen Fußball. Ich würde sogar behaupten: Ohne seine Pionierarbeit auf diesem Gebiet hätte es später keinen Götze, keinen Reus gegeben. Flohe ist der Urvater dieser Spielweise. Dies ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, ist die Motivation des Films, und sein Dreh- und Angelpunkt.



In welche stilistische Richtung geht Ihr Film?
Es wird weitestgehend vermieden, in der Dokumentation die Fansicht einzunehmen oder Flohe als eine Art Kölner Thema zu behandeln. Die grundlegende Idee ist, die Person selbst, ihr Schicksal und ihre Verdienste auch ohne Vereinsbrille zu betrachten. Der Film wird eine Dokumentation über ein nicht alltägliches Leben. Es ist der Versuch, sich einer bundesweit relativ unbekannten Person zu nähern und auszuarbeiten, was das besondere an ihr war.

Flohe hatte Verbindungen in die Kölner Halbwelt und zu den damaligen Ludenmannschaften wie dem FC Johnny. Wie war er abseits des Rasens?
Seine Verbindung zum – ich nenne es mal so – Rotlichtmilieu ist eine dieser Facetten Flohes, die aus heutiger Sicht Seltenheitswert haben. Allein die Tatsache, dass sich jemand zu seinen Zeiten als Profifußballer in solchen Kreisen rumtrieb, ist bemerkenswert. Und Flohe hatte eine starke Affinität zum Milieu.

Beleuchtet der Film auch diese Seite?
Man muss klar trennen: Heinz war selbst kein Lude. Die Verbindungen zu diesen Kreisen resultierten aus seinem Fable für den Boxsport. Dass im Zuge dessen auch Bekanntschaften und Freundschaften zu örtlichen Größen wie dem Boxer Horst Brinkmeier entstanden, hat zunächst einmal nichts anrüchiges. Diese Verbindungen sind Teil seines Lebens, und werden im Film thematisiert.

Angenommen, Heinz Flohe würde noch leben und von dem FIlm hören, was würde er wohl dazu sagen?
Er hätte bestimmt gesagt: »Ach komm, lass den Driss!« Driss heißt auf Kölsch »Scheiße«. Aber ich bin mir auch sicher: Innerlich hätte er sich doch geschmeichelt gefühlt. 

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»Der mit dem Ball tanzte« läuft nächste Woche auf dem Fußballfilmfestival 11mm. Mehr Infos und Tickets bekommt ihr hier >>