Dieser Mann ist Fan vom HSV, St. Pauli und Werder Bremen

»Dem HSV? Nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln«

Was verbindet Sie mit dem FC St. Pauli?
Ein paar meiner Kollegen sind Pauli-Fans. Mit denen bin ich öfter zusammen zum Millerntor und später auf den Kiez. Ich hab die Atmosphäre da immer gemocht. Irgendwann haben wir überlegt, einen Fanclub zu gründen, uns fiel aber kein Name ein. Jetzt haben wir uns »St. Pauli- Fanclub ohne Namen« auf unsere Club-T-Shirts drucken lassen.

Ein sehr innovativer Name. Wurden Sie schon mal mit solchen St. Pauli Fan-Devotionalien von HSV-Fans erkannt oder umgekehrt?
Das passiert schon mal. Manche haben dafür aufgrund der Rivalität weniger Verständnis. Aber ich bin mit 51 Jahren in einem gewissen Alter, wo die Leute das nicht mehr so eng sehen. Und ich kenne auch Andere, die zu beiden Vereinen gehen.

Aber Sie waren nicht immer 51 Jahre alt.
Auch in jungen Jahren hab ich keine übermäßige Abneigung gegen andere Vereine empfunden. Wenn es Stress gab, habe ich versucht, dem aus dem Weg zu gehen.

Rivalität kann sich auch durch gesunde Abneigung anstatt bloßer Gewalt ausdrücken. Sie empfinden nichts, wenn der HSV im Weserstadion oder am Millerntor verschmäht wird?
Natürlich macht mir das was aus. Einiger meiner Pauli-Kollegen wünschen dem HSV nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln. Die machen vor mir keinen Hehl daraus, dass sie sich die Hände reiben, wenn es bei uns so schlecht läuft wie in den letzten beiden Jahren. Selbstverständlich weiß ich auch zu kontern. Aber grundsätzlich versuche ich da einfach drüber zu stehen.

Und haben Sie schon versehentlich den falschen Schal mit ins Stadion gebracht?
Das nicht, aber ich bin mal zusammen mit einem Kollegen unseres HSV-Fanclubs »Von der Waterkant« zum Auswärtsspiel nach Köln gefahren. Einen Tag später waren wir beim Spiel Duisburg gegen Bremen. Mein Kollege hatte sogar einen grün-weißen Schal dabei, den er mir für ein Foto über die Schulter gelegt hat. Nachdem wir das Ergebnis auf die Fanclub-Seite hochgeladen hatten, gab es Stress und wir mussten das Bild löschen. Es war bekannt, dass ich eine Dauerkarte für das Weserstadion habe, aber das war einfach zu viel für die.

Apropos viel - Sie unterstützen neben all diesen Aktivitäten noch Ihren Heimatverein, den »SC Vier- und Marschlande«. Was genießt die höchste Priorität?
Der Heimatverein geht immer vor. Als Betreuer der ersten Mannschaft und VIP-Fan der Altliga-Truppe verpasse ich nur in absoluten Ausnahmefällen ein Spiel.

Wie steht es um Ihren Verein?
Bis zur Saison 2014/15 stand die erste Mannschaft noch in der Oberliga Hamburg. Wir hatten vor zehn Jahren auch eine sehr starke A-Jugend um Max Kruse und Martin Harnik, die den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat. Aber wie vielen anderen Amateurvereinen fehlt es bedingt durch eine Fusion an der absoluten Identifikation der meisten jungen Leute mit dem Verein.