Diego Contento über Bayern, Pep und David Alaba

»Haben uns am Ende belohnt«

Die erste Saison unter Heynckes endete mit dem Champions-League-Finale 2012, in dem Sie von Anfang an spielten. Wie viel Respekt hat man vor so einem Spiel?
Wenn man mit so vielen großartigen Spielern in der eigenen Mannschaft aufläuft, fühlt man sich schon wohl. Mir war klar, dass das die Chance meines Lebens ist, und mit dieser Einstellung bin ich ab der ersten Minute aufgetreten.

Ihre Leistung im Finale wurde durchaus gelobt. Wurde ihnen eigentlich im Lauf des Spiels irgendwann klar, dass es gut läuft?
Im Spiel selber habe ich gar nichts gedacht, eigentlich nur von Situation zu Situation geschaut. Es war ein unheimlich emotionales Spiel.

Fängt man nicht irgendwann zu zweifeln an, wenn man so viele Chancen liegen lässt?
Nein, gar nicht. Auch nach dem vergebenen Elfmeter von Robben war ich mir sicher, dass wir noch gewinnen. Umso frustrierender war es dann am Ende.

Wie erlebten Sie die ersten Momente nach dem Finale?
Das war ein echter Weltuntergang. Es war so eine große Chance, gerade für mich, weil ich davor länger nicht gespielt hatte.

Man merkt, dass Sie das Spiel weiterhin beschäftigt.
Auf jeden Fall. Wenn wir einfach nur diese eine Ecke besser verteidigt hätten, wäre alles glatt gelaufen. Dann im Elfmeterschießen zu verlieren, war unheimlich bitter.

Konnten Sie 2013 ihren Frieden mit der Champions League schließen?
Es war für mich natürlich eine andere Situation. 2012 stand ich in der Startelf, ein Jahr später saß ich auf der Tribüne. Trotzdem: Der mannschaftliche Erfolg zählt im Fußball, und daher kann man schon sagen, dass 2013 der Ausgleich für die Niederlage im Vorjahr war.

Sie waren über die gesamte Triple-Saison Ersatzspieler. Wie hat die Mannschaft Ihnen gezeigt, dass Sie trotzdem ein wichtiger Teil waren?
Indem Sie mich nie haben lethargisch werden lassen. Ich hatte nie das Gefühl, wirklich traurig sein zu müssen, wenn ich nicht gespielt habe. Überhaupt war ein anderer Spirit in der Mannschaft, nach der Niederlage von 2012 sind wir enorm eng zusammengerückt und haben uns am Ende auch belohnt.

2013 kam Pep Guardiola zum FC Bayern. Sahen Sie den Trainerwechsel auch als Chance?
Das war schon eine Umstellung für mich. Guardiola hat viel mehr auf Videoanalysen gesetzt und uns taktisch geprägt. Sicherlich war es auch eine Chance für mich. Wenn ein neuer Trainer kommt, starten am Anfang alle wieder bei Null.

Gerade die Außenverteidiger spielen bei ihm eine wichtige Rolle.
Wir sollten nicht mehr als klassische Außenverteidiger spielen, sondern vermehrt einrücken und insgesamt offensiver agieren. Am Anfang war das natürlich eine gravierende Umstellung, dass es mehr als zwei Tage dauert, bis man seine Trainingsübungen versteht.