Deutschlands bester Torjäger im Interview

»100 Tore wären drin gewesen«

Robert Lewandowski? Mario Mandzukic? Falsch, Benedikt Amrein hat in der abgelaufenen Saison in Deutschland die meisten Tore erzielt. Wir sprachen mit dem Stürmer, der für den FSV Friedrichsdorf II in der Kreisliga C im Hochtaunus aufläuft.

Gerhard Strohmann

Benedikt Amrein, wie fühlt es sich an, amtierender Torschützenkönig von ganz Deutschland zu sein?
Es ist schon etwas Besonderes und macht mich sehr stolz. Ich habe schon früher immer ordentlich geknipst, aber damit habe ich wirklich nicht gerechnet. 

Sie haben unfassbare 85 Tore erzielt.
Eigentlich waren es sogar 87 Tore. Aus einem Spiel, in dem ich zweimal traf, wurden die Torschützen nicht gemeldet. Aber viel wichtiger ist, dass wir durch meine Tore Meister geworden und aufgestiegen sind.

Was für ein Typ Stürmer sind Sie?
Ich vergleiche mich ungern mit anderen. Ich kann nur sagen, dass ich immer 100 Prozent gebe und bis zur letzten Minute kämpfe. Technisch bin ich sicherlich kein Messi oder Ronaldo, obwohl ich mal eine Ecke direkt verwandelt habe (lacht).

Was war Ihr Rekord für die meisten Tore in einem Spiel?
Gegen FSV Steinbach II habe ich 15 Tore geschossen. Das Spiel ging 25:0 für uns aus. Dazu muss man sagen, dass die Steinbacher mit dem letzten Aufgebot und einigen Alt-Herren-Spielern aufgelaufen sind. Zum Ende der Hinrunde haben sie dann Ihre Mannschaft zurückgezogen.

Also ein gefundenes Fressen für Sie.
Ja, damals war ich schon mit meiner Torausbeute ganz gut dabei und wollte die 100 knacken. Da haben mir meine Kollegen die Bälle auch noch mal extra quer gelegt, damit ich einnetzen konnte. Großen Dank noch mal an der Stelle an die Jungs!

Sind Sie enttäuscht, dass es für die 100 nicht gereicht hat?
Es wurde schon von Beginn der Saison an immer wieder hochgerechnet und meine Trainer waren davon überzeugt, dass ich das schaffen kann. Ich dachte, die haben sie doch nicht mehr alle. Am Ende war es tatsächlich recht knapp. Hätten das Rückspiel gegen den FSV Steinbach und ein weiteres entfallenes Spiel noch stattgefunden, wäre die 100-Tore-Marke drin gewesen. Aber dann wäre ich vermutlich arm geworden wegen der Kabinen-Feier, die ich dann hätte schmeißen müssen. So habe ich als Preis sogar noch ein kostenloses Abendessen in meinem Stammrestaurant geschenkt bekommen.  

Bei allem Respekt für Ihren Verein, aber meinen Sie nicht, dass sie in einer höheren Liga besser aufgehoben wären?
Nein, beim SV Friedrichsdorf fühle ich mich einfach am wohlsten. Seit 2000 spiele ich hier und trage seitdem mit Stolz die Nummer sieben auf dem Rücken. Da ich schon 33 Jahre alt und derzeit ohnehin verletzt bin, kommt die große Karriere eh nicht mehr in Frage. Ich hatte auch ein paar Angebote aus höheren Ligen, aber bin hier einfach zu verwurzelt. Lange werde ich auch nicht mehr spielen, mittlerweile hat sich meine Torgefahr rumgesprochen und da kriege ich natürlich besonders oft auf die Socken (lacht). Ich werde mich in Zukunft um die fussballerische Laufbahn meines 6-jährigen Sohnes Leon kümmern und nebenbei noch etwas in der Freizeit kicken.

Haben Sie zum Schluss noch spezielle Tipps für Stürmer, die unter Ladehemmung leiden?
So wenig wie möglich nachdenken vor dem Tor. Das hat bei mir des Öfteren funktioniert (lacht).