Der große St.Pauli-Roundtable mit Fettes Brot, Oke Göttlich und Ewald Lienen

»Seid ihr total bescheuert?«

Wie haben Sie Ewald Lienen überzeugt?
Oke Göttlich: Er hat uns überzeugt. Wussten Sie, dass er eigentlich gar nicht Trainer werden sollte?
Dokter Renz: Sondern Spieler? Ewald, manchmal sehe ich dich am Spielfeldrand mit deinen Kabinettstückchen. Feiner Fuß!
Oke Göttlich: Ich war ja erst ein paar Wochen im Amt. Wir haben dann mit mehreren Kandidaten gesprochen, eben auch mit Ewald. Wobei es dabei anfangs gar nicht um eine Anstellung als Trainer ging.
 
Sondern?
Oke Göttlich: Wir wollten in diesen Gesprächen vornehmlich herausfinden, was wir machen müssen, um nicht abzusteigen. Das haben wir mit etwa 15 Leuten gemacht, die alle unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie man uns helfen könnte. Ewalds Ideen gefielen uns besonders gut. Wir haben ihn dann noch mal eingeladen, und schließlich haben wir gesagt: »Kannst Du bitte morgen auf dem Trainingsplatz stehen? « So war es doch, oder?
Ewald Lienen: Stimmt. Allerdings klingt mir das ein bisschen zu spontan. (Lacht.) Ihr habt die Entscheidung sicherlich schon einen Tag vorher getroffen.
 
Wie ging es dann weiter?
Ewald Lienen: Mit der anstrengendsten Hinrunde aller Zeiten.

Sie meinen Rückrunde.
Ewald Lienen: Nein, ich meine die erste Woche. Montag bis spät in die Nacht Gespräche und Verhandlungen. Dienstag Arbeitsbeginn und erstes Training, was gleichzeitig das Abschlusstraining war, dann den Kader benennen, ab in den Flieger, Mittwoch das erste Spiel in Ingolstadt, Regeneration, dann Training, dann Samstag zuhause gegen Aalen. Dazwischen und nach dem letzten Spiel jede Menge Sitzungen. Es war so anstrengend wie eine komplette Hinserie. Danach bin ich erst einmal in den Urlaub gefahren. (Lacht.)

Konnten Sie sich überhaupt vorbereiten?
Ewald Lienen: Musste ich nicht. Gerade als Trainer ohne Job sollte man sich mit den aktuellen Geschehnissen beschäftigen. Wenn freitags drei Spiele liefen, dann habe ich immer St. Pauli geguckt.
Oke Göttlich: Ich erinnere mich auch noch gut an diese Tage, vieles fand nachts statt. Schon bei der Einstellung Ewalds, da musste ich den Aufsichtsrat  sehr spät einbestellen und eine Entscheidung in Sachen Ewald diskutieren. Die haben sich auch gedacht: Wer klingelt uns so spät noch an? Scheiße, der Neue. Spinnt der? (Lacht.)
 
Ein schönes Schlusswort.
Dokter Renz: Eine Sache interessiert mich aber noch.
 
Bitte.
Dokter Renz: Ich frage mich oft, ob St. Pauli der einzige Verein ist, bei dem die Fans Sorge haben, dass ein Aufstieg zu schnell kommen könnte?
Oke Göttlich: Das ist nicht zu beantworten. Aber ich weiß, dass es auch immer wieder andere Stimmen gibt. Nach dem Motto: »Oke, es macht nichts, wenn wir in die Ditte Liga absteigen. Wir Fans finden das okay.« Und da dachte ich so: Seid ihr total bescheuert? (Lacht.) Als wir im Abstiegskampf steckten, war das echt schlimm. Wenn du weißt, wie die finanzielle Basis ist und dann kommt dir einer mit »Ist doch nicht schlimm«, ist es schwer, nicht emotional zu werden.
Dokter Renz: Ich habe das auch mal gesagt.
König Boris: Aber nur, weil man es nicht anders ertragen hat. Gewollt habe ich es auf keinen Fall.
Oke Göttlich: Was ein Abstieg alles bedeutet hätte. Alleine diese vielen Sicherheitsspiele! Jede Woche hätten die Medien gefragt: »Herr Göttlich, was sagen Sie zu den erneuten Fan Krawallen?«
König Boris: Und es hätte in jedem zweiten Spiel kein Bier im Stadion gegeben. Ja, das wäre wirklich schlimm gewesen.

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