Der Fußball, mein Leben und ich: Bernd Franke

»Schumachers Verhalten war unter der Gürtellinie«

1982 hat es endlich geklappt mit der Weltmeisterschaft, aber besonders viel Spaß hatten Sie nicht. Irgendwie komisch: Die deutsche Mannschaft wird Vizeweltmeister, doch niemand scheint positive Erinnerungen an dieses Turnier zu haben.
Es hat halt nicht gepasst in der Mannschaft, schon in der Vorbereitung. Toni Schumacher hat in seinem Buch »Abpfiff« nachher vom »Schlucksee« statt »Schluchsee« geschrieben, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gab Leute wie die Förster-Brüder, Stielike, Dremmler, Briegel oder mich, die jeden Morgen vorm Frühstück laufen gegangen sind. Andere konnten nicht laufen, weil sie bis in die Puppen gepokert haben.

Hatte Bundestrainer Jupp Derwall ein Autoritätsproblem?
Sagen wir mal, er hatte ein paar linke Vögel um sich herum, die ihm nicht gedankt haben, dass sie mitfahren durften. Die faulen Äpfel auszusortieren ist auch eine Kunst des Trainers.

Negativer Höhepunkt der WM war neben dem Skandalspiel gegen Österreich in der Vorrunde Toni Schumachers brutales Foul gegen Battiston im Halbfinaldrama gegen Frankreich.
Das war unter der Gürtellinie. Das Foul selbst mag passieren können, doch das Verhalten danach ging gar nicht. Keine vernünftige Entschuldigung, stattdessen der Spruch: »Ich kauf ihm ein paar neue Jacketkronen.« Später hat er gemerkt, dass er was verkehrt gemacht hat und gesagt: »Wenn mein Manager da gewesen wäre, hätte ich mich entschuldigt.« Also bitte, für so etwas brauche ich doch keinen Manager!

Wie hat die deutsche Bank auf die Szene reagiert?
Derwall wollte Schumacher auswechseln, zumal er ständig obszöne Gesten in Richtung des Publikums machte. Ich musste mich schon warmmachen, aber dann gelang Karl-Heinz Rummenigge der 2:3-Anschlusstreffer, und ich setzte mich wieder.

Sie haben sieben Länderspiele gemacht und 45 mal auf der Bank gesessen. Hat das nicht genervt?
Nein, weil ich ein Teamspieler bin. Der Trainer hat immer gewusst, dass ich kein Theater mache.

1984 durften Sie mit 35 Jahren noch bei den Olympischen Spielen in Los Angeles im Tor stehen. Wie kamen Sie als »alter Sack« zu der Ehre?
Trainer Erich Ribbeck wollte zwei Ältere mitnehmen und entschied sich für Dieter Bast und mich. Obwohl wir nur bis ins Viertelfinale kamen, war das ein wunderbares Erlebnis, viel schöner als die WM. Wenn wir nicht spielten, habe ich bei anderen Sportarten vorbeigeschaut, zum Beispiel beim Zehnkampf.

Sie sind ja ohnehin ziemlich breit aufgestellt. In den letzten Jahren sind Sie als Fitnesstrainer der Tennisspielerin Kristina Barrois durch die Weltgeschichte gereist. Wie kam es dazu?
Die Kristina kommt aus dem gleichen Ort wie ich und hat früher mit meinem Sohn zusammen trainiert. Irgendwann hat sie gemerkt, dass sie ohne spezielles Konditionstraining nicht weiterkommt. Seitdem war ich mit ihr auf der WTA-Tour.

Bei jedem Turnier?
Fast jedem. Jetzt hat sie ihre Karriere beendet, aber die letzten sieben Jahre war ich viel unterwegs. Über den Jahreswechsel zum Beispiel jedes Mal in Australien.

Das war also kein Zeitvertreib, sondern eine richtig ernste Geschichte.
Ich war jeden Tag mit ihr im Fitnessraum, teilweise habe ich sie auch auf den Turnieren betreut. Es geht ziemlich ins Geld, immer den Trainer mitzunehmen, und bei mir musste sie nur den Flug und das Essen bezahlen. Das war praktisch meine Freizeit.

Für Tennislaien: Wie erfolgreich war die Zusammenarbeit?
Ihr bester Platz in der Weltrangliste war 56.