Der Fußball, mein Leben und ich: Bernd Franke

»Zebec war betrunken besser als andere Trainer nüchtern«

Welche Erinnerungen haben Sie an Branko Zebec?
Nur gute.

Zeichnete sich seine spätere Alkoholkrankheit schon ab?
Wir haben es gemerkt, aber Zebec war betrunken immer noch besser als die meisten anderen Trainer nüchtern. Zu einer Zeit, als in der Bundesliga immer noch streng Manndeckung praktiziert wurde, haben wir bereits Raumdeckung gespielt.

War Zebec ein harter Trainer?
So viel wie unter ihm hatte ich noch nie trainiert. Und wenn er betrunken war, haben wir umso mehr gemacht, der hat das gar nicht gemerkt. Noch mal, das war ein guter Trainer, einer der besten in der Bundesliga! Ich sage immer, ich habe von jedem Trainer etwas gelernt: Wie man es macht, und wie man es nicht macht.

In einer überschaubaren Stadt wie Braunschweig müssen die Spieler damals Helden gewesen sein. Wenn man Fotos von Ihnen sieht, mit der athletischen Figur und den schwarzen Haaren: Lagen Ihnen nicht die Frauen zu Füßen?
(Lacht.) Ich war verheiratet.

Das ist keine Antwort auf die Frage.
Natürlich waren wir keine Engel, aber im Ernst: Ich habe mit 21 geheiratet und habe bis heute die gleiche Frau. Natürlich hatte ich viele Fans, doch eines ist wichtig: Du musst wissen, wo du herkommst, und mit den Füßen auf der Erde bleiben. Heute gibt es ja eine ziemliche Fluktuation bei den Spielerfrauen und für meinen Geschmack sind da zu viele Püppchen dabei. Damals waren die meisten von uns verheiratet. Das war den Trainern lieber, da wussten sie, die Jungs haben ein halbwegs geregeltes Leben und regelmäßige Mahlzeiten.

Sie sind letztlich 14 Jahre in Braunschweig geblieben.
Dabei hatte ich viele Angebote: von Bayern, Kaiserslautern, Frankfurt. Das vielleicht reizvollste kam 1973 nach dem zwischenzeitlichen Abstieg der Eintracht von Ajax Amsterdam.

Sind Sie nicht ins Rotieren geraten? Es gab ja damals noch keine Berater.
Mein Berater war meine Frau. Oder du hast mal einen Bekannten mitgenommen. Im Grunde kannst du doch selbst einschätzen, was du wert bist. So kompliziert wie heute, mit Ausstiegsklauseln und solchem Schnickschnack, war es damals noch nicht. Franz Beckenbauer, der damals bestverdienende Spieler, hat 500 000 im Jahr bekommen. D-Mark. Ein guter Nationalspieler hat zwischen 200 000 und 300 000 verdient, die anderen entsprechend weniger.

Hatten Sie schlaflose Nächte wegen Ajax?
Letztlich war ausschlaggebend, dass Helmut Schön sagte, ich würde auch nach dem Abstieg zum Kader der Nationalelf gehören. Ich hatte ja die WM noch vor Augen. Am Ende habe ich sie verpasst, weil ich noch die Aufstiegsrunde zur Bundesliga spielen musste.

Hatten Sie in Braunschweig einen Standortnachteil?
In der Nationalmannschaft gab es einen Bayern-Block, also stand in der Regel Sepp Maier im Tor. Bei der WM 1974 war ja auch unstrittig, dass er der Beste war. 1978 sah es ein bisschen anders aus, aber leider habe ich mir im letzten Testspiel vor dem Turnier das Bein gebrochen.

Glauben Sie wirklich, dass Sie in Argentinien im Tor gestanden hätten?
Im ersten Spiel nicht, aber vielleicht im Lauf des Turniers. Der Sepp war nicht in Form und wir wären mit Eintracht Braunschweig um ein Haar Deutscher Meister geworden.