Der Fußball, mein Leben und ich: Bernd Franke

»Breitner hat sich nicht untergeordnet«

Sie sind mit Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga aufgestiegen, dann aber zu Eintracht Braunschweig gegangen, wo mit Horst Wolter immerhin ein gestandener Nationaltorwart zwischen den Pfosten stand.
Ich hatte in Düsseldorf sehr gut gehalten und dann ein Angebot zur Vertragsverlängerung bekommen, mit dem ich nicht einverstanden war. Braunschweigs Trainer Otto Knefler, mit dem ich bereits bei der Fortuna gearbeitet hatte, sagte: »Die ersten Jahre wirst du nicht spielen, aber ich baue dich auf.« Doch dann habe ich gleich in der ersten Saison 27 Spiele gemacht und Horst Wolter sofort verdrängt.

Zur eigenen Überraschung?
Ich hatte den Vorteil, direkt von der Aufstiegsrunde mit Düsseldorf zu kommen und stand voll im Saft. Seinerzeit gab es im Sommer die Intertoto-Runde, in der wir immer abwechselnd spielten. Danach war die Sache entschieden. Ein Jahr später ist Horst zu Hertha BSC gegangen.

Hat er seine Degradierung sportlich genommen?
Hat er, wir haben heute noch ein gutes Verhältnis. Eigentlich verwunderlich. Er steht acht Jahre bei Eintracht Braunschweig im Tor und dann kommt so ein junger Spund ...

Immerhin verdanken Sie ihm Ihren Spitznamen.
Im Training mussten wir immer Brust an Brust gegeneinander springen, wobei ich meist einen halben Meter höher sprang und nachher hat er meist auf dem Rücken gelegen. Jedenfalls hat er mich »Adler« genannt: »Und wenn du runter kommst, hast du Schnee auf dem Kopf.« Weil wir noch mehr Spieler hatten, die Bernd hießen, hat sich das rasch durchgesetzt.

Waren Sie von Braunschweig sofort begeistert? Die Stadt lag im sogenannten Zonenrandgebiet und hatte ein eher ausbaufähiges Image.
Als wir das erste Mal da waren, hat meine Frau gesagt: »Wenn du da unterschreibst, gehe ich nicht mit.« Damals war die Braunschweiger Innenstadt noch nicht wieder richtig aufgebaut. Es war keine schöne Stadt, ganz im Gegensatz zu heute. Nachher wollten wir gar nicht mehr weg.

Eintracht Braunschweig war in den Siebzigern die »Jägermeistertruppe«. Hat Sie das genervt?
Nicht wirklich. Günter Mast war halt der Erste, der erkannt hat, welche Möglichkeiten die Trikotwerbung bietet. Er hat das ja schon vorher bei einer italienischen Eishockeymannschaft ausprobiert. In Deutschland hat sich der DFB zunächst quergestellt. Darüber hat sich Mast kaputtgelacht. Er hat das »Jägermeister«-Emblem mit Absicht größer gemacht, als es erlaubt wurde. Mit dem Ärger, den es gab, stand er jede Woche in der Zeitung und hat sich diebisch über die kostenlose Werbung gefreut.

Kamen Sie sich in den bunten Trikots nicht manchmal wie Papageien vor?
Wir hatten mal ein Freundschaftsspiel gegen Real Madrid, vor 100 000 im Bernabéu. Die Leute haben ganz schön geguckt, als sie uns in unseren orangefarbenen Trainingsanzügen mit grünen Streifen beim Warmmachen sahen. So etwas hatten die noch nicht gesehen.

Die Eintracht konnte damals um die Meisterschaft mitspielen, aber auch jederzeit absteigen.
Weil wir nie die großen Stars hatten, und wenn, dann ist es in die Hose gegangen. Unsere Stärke war die mannschaftliche Geschlossenheit. Fußball ist ein Mannschaftssport, bei dem du viel kaputtmachen kannst, wenn du einen dabei hast, der alle verrückt macht.

Auf wen spielen Sie an?
Zum Beispiel Paul Breitner. Ein Jahr vorher wären wir beinahe Deutscher Meister geworden, mit ihm wären wir fast abgestiegen. Breitner hat sich nicht auf die Mannschaft eingestellt, sondern gemeint, wir müssten ihm entgegenkommen.

War seine Verpflichtung ein PR-Gag von Günter Mast?
Ja. Mast hat ihn 1977 von Real Madrid geholt und ein Jahr später zog er schon wieder weiter nach München. Schlussendlich ist er nur wegen der Kohle gekommen. Das war ja kein schlechter Spieler, das will ich nicht sagen, er hat sich nur nicht untergeordnet. Viele Spieler haben sich über sein Auftreten geärgert. Einmal hat er groß erzählt, vor seinem Haus würden Busse vorfahren. Meine Güte, das war eine ganz normale Bushaltestelle!