Der Amateur, der vielleicht Champions League spielen darf

»Ein Highlight jagt das nächste«

Nicolas Feldhahn wollte seine Karriere eigentlich bei Bayerns Amateuren ausklingen lassen. Heute steht er vielleicht im Champions-League-Kader. Ein Fußballwunder?

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Nicolas Feldhahn, Sie sind 2015 mit 29 Jahren vom VfL Osnabrück zu Bayern Münchens Amateuren gewechselt. Wohl eher nicht mit dem Ziel, Champions League zu spielen, oder?
Ganz sicher nicht. Mit den Amateuren spielen wir zwar nur Regionalliga, aber ich komme gebürtig aus München, wollte meinen Lebensmittelpunkt wieder hierher verlegen und hatte die Möglichkeit, hier neben dem Sport mein Jura-Studium weiter voranzutreiben.

Für einen Studenten sind Sie aber recht nah an die erste Mannschaft gerückt.
Schon unter Guardiola habe ich ab und an bei den Profis mittrainiert, speziell bei taktischen Übungen oder wenn acht gegen acht gespielt wird, aber nur 15 Spieler im Training waren. Aber mein Alltag heißt Regionalliga.

Aber irgendwann waren Sie nicht nur beim Training der Profis dabei, sondern auch in den Testspielen. Wie kam es dazu?
Ich hatte das Glück, dass durch die EM viele Profis länger im Urlaub waren. Das Testspiel gegen Manchester City stand an und es war klar, dass ein paar Amateure mit dabei sein würden. Ich ging davon aus, auf der Bank zu sitzen. Dann erfuhr ich in der Spielbesprechung wenige Stunden vor Anpfiff, dass ich von Beginn an verteidigen würde. Und war unglaublich nervös.

Und auf dem Feld?
Es war glücklicherweise einer der Tage, an denen alles läuft. Mein Nebenmann in der Innenverteidigung war Javi Martinez, ein wirklich abgezockter, international erfahrener Profi. Auf dem Feld hat er nur kurze Anweisungen gegeben, die gesessen haben. Und ich habe mich ganz gut bewegt, so dass es für die Mitspieler keinen Grund gab, meine Bewegungen zu korrigieren oder mich gar zu kritisieren.

Was hat Ihnen Ancelotti mit auf den Weg gegeben?
Es gab kein langes Vieraugengespräch, er hat mir lediglich einige taktische Anweisungen gegeben. Dass ich ein bisschen mehr absichern und nicht zu sehr auf Abseits spielen soll. Nach der Partie nahm er mich zur Seite und lobte mein Spiel. Wenn einem ein Ancelotti ein »Bravo« mitgibt, geht das schon runter wie Öl.

Gab es auch von Spielerseite Lob?
Nicht explizit, aber wenn man merkt, wie die Akzeptanz wächst, ist das auch eine Art Lob. Tom Starke hatte mich vor dem Spiel gefragt, ob ich bei der USA-Reise der Profis dabei sein würde, die wenige Tage später beginnen sollte. Ich wusste es noch nicht. Nach dem Spiel kam er noch einmal zu mir und sagte: »Jetzt hast du gerade dein Ticket gelöst.«