David Jarolim über den tschechischen Fußball

»Wir denken immer an Panenka«

Sehen Sie im aktuellen Kader vergleichbare Typen?
Das ist schwer zu vergleichen. Wir haben generell gute Spieler, aber im Moment fehlt es uns an Persönlichkeiten, wie wir sie damals hatten. Wenn wir uns als Mannschaft präsentieren und die Verantwortung und die Aufgaben in Offensive und Defensive gleichmäßig verteilen, dann kann uns das stark machen.

Was 1996 für Tschechien war, war für Deutschland das EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei. Die Geburtsstunde des Panenka-Elfmeters sorgte für die Final-Niederlage Deutschlands. Ist den Tschechen eigentlich bewusst, welches Trauma Panenka damit in Deutschland ausgelöst hat?
Ja. Vor großen Turnieren erinnern wir uns immer an diesen Moment. In der Liga war Panenka bekannt dafür, dass er immer etwas Besonderes gemacht hat. Da es keine Videoanalysen gab, wusste der Gegner das nicht. Für so ein großes Land wie Deutschland war es bestimmt enttäuschend, gegen die kleine Tschechoslowakei im Finale zu verlieren.

Genießt Panenka auch heute noch die Wertschätzung des Landes für seinen entscheidenden Elfmeter? 
Ja, auf jeden Fall. Viele junge Fußballer sehen diesen Moment immer mal wieder im Fernsehen und werden so daran erinnert.

Sie selbst debütierten 2005 mit 26 Jahren für Tschechien und kamen dann in vier Jahren auf 29 Einsätze. Wie blicken Sie auf ihre Karriere im Nationaldress zurück?
Ich durfte 2006 noch zusammen mit Nedved, Poborsky und Koller zur WM 2006 reisen. Das war für mich eine riesige Erfahrung. Damals ist ein Kindheitstraum wahr geworden. Das war die letzte WM, die wir gespielt haben. Das ist eigentlich traurig. Ich persönlich habe aber sehr gute Erinnerungen an die Nationalmannschaft. Auch an die EM 2008, auch wenn wir in der Vorrunde ausgeschieden sind.

Bei der WM 2006 wurden Sie in Ihrer langjährigen Heimat Hamburg beim letzten Gruppenspiel gegen Italien eingewechselt. War das eine persönliche Sternstunde für Sie?
Es war sehr besonders, ausgerechnet in Hamburg gegen den späteren Weltmeister spielen zu dürfen. Auf der anderen Seite sind wir aber durch die 0:2-Niederlage auch ausgeschieden und waren natürlich enttäuscht. Heute sind solche Spiele als Erinnerungen aber wunderbar.