David Jarolim über den tschechischen Fußball

»Das größte Vorbild war Nedved«

Gibt es Unterschiede im Umgang miteinander zu anderen Trainern?
Wichtig war meine Position in der Mannschaft. Ich war Kapitän des Teams, er konnte sich auf mich verlassen und ich ihm helfen. So hat das problemlos funktioniert. Es wäre sicher anders gelaufen, wenn ein 20-Jähriger von seinem Vater trainiert wird.

Haben Sie den Abgang Ihres Vaters zur Nationalmannschaft bedauert? 
Wir haben die Vorbereitung noch mit ihm gemacht, bestritten die ersten zwei Pflichtspiele zusammen und sind leider in der Europa-League-Qualifikation gescheitert. Die Entscheidung, Mlada Boleslav zu verlassen, fiel ihm schwer, aber der Zeitdruck war zu groß. Er hatte nur zehn Tage Zeit, um sich auf die Nationalmannschaft vorzubereiten. Deswegen musste er uns verlassen. Er wollte mich mitnehmen. Aber es war auch wichtig, dass jemand im Verein bleibt, der fortführt, was hier angefangen wurde. Deswegen bin ich geblieben.

Blicken wir auf die Duelle zwischen Deutschland und Tschchien zurück. 1996 spielten beide im EM-Finale gegeneinander. Sie waren damals 17 Jahre alt und hatten gerade ihr erstes Jahr beim FC Bayern hinter sich. Wie haben Sie das Spiel verfolgt, als Oliver Bierhoff Deutschland per Golden Goal zum Titel schoss?
Das Finale habe ich in Tschechien gesehen. Das Tor war natürlich unglücklich. Der war wohl haltbar. Obwohl Petr Kouba damals echt stark war. Wir waren ganz nah dran. Es ist bitter, dass es dieses Golden Goal nur einmal gab und es ausgerechnet gegen uns fiel. Damit war das Spiel auf einen Schlag vorbei. Am Ende war Platz zwei natürlich trotzdem ein riesiger Erfolg, aber wir waren auch ein bisschen traurig. Denn Gold ist nun mal Gold.

Hadern Sie im Nachhinein mit dem Schicksal, dass ausgerechnet gegen das eigene Land das erste und letzte Golden Goal geschossen wurde?
Schon, aber letztlich hatten beide Mannschaften die Möglichkeit zum Sieg. Außerdem haben wir nach Patrik Bergers Elfmeter 1:0 geführt und hatten Chancen auf das 2:0. Die haben wir nicht genutzt und das hat das Spiel letztlich entschieden. Es war eine Regel, die für uns in dieser Situation sehr schlecht war, aber die Bedingungen waren ja für alle gleich. Hätten wir das Tor gemacht, wären wir Europameister geworden.

Damals waren Spieler wie Berger und Karel Poborsky im Kader, Pavel Nedveds Stern ging auf und später kamen noch Jungs wie Jan Koller, Thomas Rosicky oder Petr Cech dazu. Wer war ihr persönlicher Held zu dieser Zeit?
Das größte Vorbild war Nedved. Er war in Tschechien schon sehr gut, hat sich seine Fähigkeiten aber vor allem im Training Tag für Tag hart erarbeitet. Er verfügte nie über das größte Talent. Vielmehr hat er es durch seine Arbeit und seine Einstellung so weit geschafft.