Darmstadt-Präsident Rüdiger Fritsch über Euphorie und Bodenhaftung

»Wir werden kämpfen, kratzen und beißen«

Was haben Sie sich konkret für die neue Saison vorgenommen?
Wir werden kämpfen, kratzen und beißen, um am Ende so gut wie möglich abzuschneiden. Im besten Fall lassen wir zwei oder drei Teams hinter uns. Wir werden uns wieder ans Verlieren gewöhnen müssen. Dennoch wir werden nicht den letzten Cent in neue Spieler stecken . Wichtig ist, dass wir uns stabilisieren und uns für die Zukunft angemessen aufstellen.

Sie wollen ein neues Stadion bauen.
Nicht wir, sondern die Stadt Darmstadt wird eine zeitgemäße Sportstätte errichten. Es ist ein Neubau mit 18000 bis vielleicht 19000 Plätzen geplant, davon allein mindestens 8000 Stehplätzen. Die Frage, die uns aktuell beschäftigt, ist: Wo im Stadion sollen diese Stehplätze liegen, denn es ist wichtig, unsere Anhänger, die einen sehr großen Anteil am gegenwärtigen Erfolg haben, auch auf dieser Ebene mitzunehmen. Im alten Stadion gibt es nicht nur ein Stimmungszentrum, sondern gleich mehrere. Eine Besonderheit der Darmstädter Fankultur. Und diese soll, sofern baulich und finanziell möglich, im neuen Stadion erhalten bleiben. 

Die historische Stehgegengerade wird es in der Form aber nicht mehr geben.
Aber sicher ist kein Fan böse, wenn er dafür im Stadion den heutzutage normalen Komfort bekommt und etwa ein Bier trinken kann, das auch bei Regen nicht sofort verwässert, weil es zur Zeit kein Dach über den Strängen gibt.

Es gibt Vereine, die auch mit überschaubarem sportlichen Erfolg als Marke gut funktionieren: der FC St. Pauli oder Union Berlin. Taugen solche Klubs für den SV98 als Vorbild?
Natürlich. Im Profisport geht es allerdings auch nicht ohne Sponsoren. Auch wir müssen zusehen, unser Potential weiter zu entwickeln. Aber wir wollen nicht St. Pauli oder Union sein. Darmstadt ist Darmstadt, nicht Hamburg oder Berlin. Wir müssen eine eigene Identität entwickeln, die trotzdem für Sponsoren attraktiv ist. Da werden wir einen Weg zwischen Tradition und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit finden. Klar ist: Wir können uns vor lauter Tradition nicht vor allen Entwicklungen im modernen Fußball verschließen.

Apropos: Sponsoren. Erleben Sie gegenwärtig einen großen Zuspruch?
Die Bundesliga ist für uns als kleinen Verein eine große Chance. Natürlich gibt es gerade eine erhöhte Nachfrage von Sponsoren, die mit uns in der kommenden Saison zusammenarbeiten wollen. Aber: Wir machen grundsätzlich kein Management-by-Kiosk, wir brauchen niemand, der mal kurz vorbeikommt und einen ausgibt. Wir denken langfristig.

Das heißt im Klartext?
Wer mit uns hoch will, sollte auch bereit sein, mit uns wieder runter zu gehen.