Darmstadt benennt Stadion nach Johnny Heimes

»Sein Kampf gegen den Krebs inspiriert uns«

Darmstadt 98 benennt sein Stadion nach dem verstorbenen Fan Johnny Heimes. 2015 hatten wir das Glück, Johnny gemeinsam mit Kapitän Aytac Sulu und Co-Trainer Sascha Franz zu interviewen. Es war ein inspirierendes Treffen.

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Diese Geschichte ist viel zu schön, um sie nicht noch einmal zu erzählen. Wie Darmstadt 98 im Sommer 2013 eigentlich in die Regionalliga abgestiegen ist, und nur deshalb in der dritten Liga bleiben darf, weil Kickers Offenbach keine Lizenz erhält. Wie unter der Leitung von Trainer Dirk Schuster eine Mannschaft heranwächst, die es in der Folgesaison bis in die Relegationsspiele gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld schafft und dort nach einer 1:3-Hinspiel-Niederlage das Rückspiel mit 4:2 nach Verlängerung für sich entscheidet. Wie der Underdog auch die 2. Bundesliga aufmischt und es mit einem 1:0-Sieg gegen den FC St. Pauli am Pfingstsonntag tatsächlich in die Bundesliga schafft. In einem baufälligen Stadion mit schimmeligen Kabinen und nur sporadisch fließendem Warmwasser. Ein kleines Fußballmärchen am Böllenfalltor.

Fünfmal kam der Krebs zurück

Diese Geschichte ist unglaublich traurig und doch wieder genauso inspirierend. Wie bei dem 14-jährigen Darmstädter Jonathan, genannt Johnny, Heimes vor mehr als zehn Jahren ein bösartiger Hirntumor entdeckt wird. Wie es der hessische Jugendmeister im Tennis und Fußball-Talent zunächst schafft, den Krebs zu besiegen. Und doch fünf Jahre erneut Metastasen, diesmal in der Wirbelsäule hat, die eine zwischenzeitliche Querschnittslähmung auslösen. Wie er auch dagegen ankämpft. Immer und immer wieder. Fünf Mal hat Johnny Heimes bis heute die schreckliche Diagnose erfahren, dass der Krebs in ihm wuchert. Er hätte sich auch aufgeben können, wie sollte man das Menschen in solchen Situationen verübeln? Heimes entschied sich für den Kampf, brachte seine Biografie raus (»Comebacks – Meine Leben«) und ließ Gummi-Armbänder mit der Aufschrift »DUMUSSTKÄMPFEN – Es ist noch nichts verloren« produzieren, die bis heute mehr als 150.000 Euro für die Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. einbrachten und unter anderen von seiner Freundin und ehemaligen Tenniskollegin Andrea Petkovic getragen wurde. Anfang 2015 gründete er die gemeinnützige GmbH dumusstkaempfen.de. Inzwischen ist er 25.

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Im Mai 2014 verbinden sich beide Geschichten zu einer unglaublichen Story. Da ordert Darmstadts Co-Trainer Sascha Franz nach der 1:3-Schlappe gegen Bielefeld 50 Armbändchen bei seinem Kumpel Johnny Heimes. Gemeinsam mit Chefcoach Dirk Schuster verteilt er diese an seine Spieler, Schuster erzählt den noch immer geknickten Fußballern die Geschichte des krebskranken Sportlers. Im Rückspiel steht eine andere Mannschaft auf dem Platz. Sie gewinnt mit 4:2, es ist eines der verrücktesten Spiele der deutschen Fußballgeschichte. Die Spieler tragen das Armband und erzählen anschließend, wie sie das Schicksal des eingefleischten Darmstadt-Fans tief bewegt und inspiriert habe. Stürmer Marco »Toni« Sailer lässt sich den Armband-Spruch auf den Arm tätowieren. »Du musst kämpfen« wird zum Mantra der Schuster-Truppe. Als die Mannschaft im Mai 2015 auf dem Darmstädter Karolinenplatz den Aufstieg in die erste Liga feiert, wird Heimes im Rollstuhl auf die Bühne geschoben. Kapitän Aytac Sulu ruft ins Mikrofon: »Dieser Junge, er hat uns geholfen in die Zweite Liga, er hat uns geholfen, Geschichte zu schreiben.« Anschließend singen Mannschaft und Fans »You´ll never walk alone« für ihn. Das ganz große Gefühlschaos.

Zum Interview am Böllenfalltor baten wir Johnny Heimes, Co-Trainer Sascha Franz und Darmstadt-Kapitän Aytac Sulu.