Clarence Seedorf und seine Lehrmeister

»Ich habe viel von Ancelotti gelernt«

Clarence Seedorf war ein begnadeter Kicker, als Trainer läuft er dem Erfolg noch hinterher. Jetzt nimmt er einen neuen Anlauf in China. Ein Gespräch über Vorbilder und große Ideen.

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Clarence Seedorf, war Ihnen immer klar, dass Sie irgendwann Trainer werden?
Ich wollte das schon als Spieler, und das hat mir bei meiner Entwicklung geholfen. Ich war ein aufmerksamer und trainernaher Fußballer – nicht bei der direkten Entscheidungsfindung, versteht sich, aber ich war in den Prozess involviert, indem ich half, Probleme zu lösen.

Haben Sie ein Vorbild?
Letztlich will ich mein eigenes Modell entwickeln, aber ich muss gestehen, dass mich die Philosophie Phil Jacksons begeistert. So wie er die besten Basketballspieler der Welt für sich gewinnen konnte, glaube ich, dass mir dies auch mit den besten Fußballern gelingen könnte.

Wer hat Sie im Fußball am meisten geprägt?
Ich habe viel von Van Gaal, Capello oder Ancelotti gelernt. Dabei ist es manchmal wichtiger zu erkennen, was einem nicht zusagt – damit man solche Fehler in Zukunft vermeiden kann. Dennoch bin ich allen dankbar, dass sie mir Einblicke in ihr »Labor« gewährt haben.

Bei Ajax Amsterdam waren Sie einst der jüngste Debütant aller Zeiten. Wäre das ohne Louis van Gaal überhaupt möglich gewesen?
Für unsere damalige Generation war er der perfekte Trainer. Van Gaal setzt bis heute auf junge Spieler, das ist eine seiner markantesten Eigenschaften. Und ich werde immer dankbar für sein Vertrauen sein.

Er machte Sie sofort zum Stammspieler.
Er ging sogar so weit, nach meinem Debüt zu sagen, ich würde der Spieler des neuen Jahrtausends werden. Kein besonders großer Druck, nicht wahr? Ich hoffe rückblickend, dass er stolz auf mich ist. Und auf sich selbst, weil er richtig gelegen hat. (Lacht.)

Braucht der Fußball mehr Trainer wie ihn, die auf junge Spieler setzen?
Es gibt ja viele, die jungen Leuten eine Chance geben. Zu viele sogar. Den Jungen eine wichtige Rolle zu übertragen, ist eine Sache – die gesamte Verantwortung auf sie abzuwälzen, eine andere. Damals bei Ajax gab es auch erfahrene Spieler: De Boer, Blind, Rijkaard. Es kommt auf die Mischung an, weil die Balance stimmen muss. Wenn manche Klubs heutzutage ausschließlich auf junge Spieler setzen, besteht die Gefahr, dass die ausbrennen. Denn die meisten sind einfach noch nicht darauf vorbereitet, die ganze Last auf ihren Schultern zu tragen. Wir sind damals ohne diesen Druck aufgewachsen, und so sollte es sein. Im Fußball wie auch im Leben.