Christoph Metzelder über Bayern-Real

Was Real den Bayern klar voraus hat

Derzeit ist Ronaldo wieder in Topform. In der Hinrunde hatte er noch geschwächelt – auch deshalb liegt Real in der Liga mit 15 Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Barcelona nur auf Platz drei.
Auch Cristiano wird älter. Er weiß, dass die physische Komponente für sein Spiel enorm wichtig ist. Deshalb trainiert er ja so hart. Er hat inzwischen aber auch seine Spielweise etwas angepasst. Sie ist ökonomischer geworden. Er bezieht aus einer zentraleren Position seine Mitspieler viel mehr ein als in früheren Jahren.

Sie sind einer von drei Geschäftsführern der Agentur Jung von Matt Sports und haben sich dabei unter anderem mit der Markenbildung von Fußballstars beschäftigt. Beschreiben Sie die Marke Cristiano Ronaldo? Welche Emotionen und Assoziationen werden mit ihm verbunden?
Beim Soccer Star Check, einer Umfrage unter deutschen Fussballfans, die stark mit Vergleichen oder Bildern arbeitet, wird er zum Beispiel mit dem Pfau als Synonym für Eitelkeit assoziiert. Die Erfolgskomponente steht bei der Marke CR7 klar im Vordergrund. Cristiano besitzt Hotels und mehrere Eigenmarken wie beispielsweise ein Parfüm und ein Modelabel. Er kennt die ganze Klaviatur der Medien, des Lifestyles und weiß sie perfekt zu spielen. Ganz anders als ein Lionel Messi, der eine deutlich zurückhaltendere und leisere Persönlichkeitsmarke ist.

Wo wir bei den Marken sind: was unterscheidet die Marken Real Madrid und FC Bayern München voneinander?
Real ist schon sehr lange eine globale Marke. Das weiße Trikot, das Wappen – das kennt man auf allen Flecken dieser Erde. Der FC Bayern München ist erst auf dem Weg dahin und besetzt seit einigen Jahren internationale Märkte. Und Bayern hat einen starken regionalen, lokalen Einschlag. Diese »Folklore« ist wichtiger Bestandteil und Erfolgsfaktor des FC Bayern München.

Real Madrid ging in der Vergangenheit den Weg, viel Geld in Stars zu investieren, um im Gegenzug die Marketingeinnahmen zu erhöhen – Cristiano Ronaldo und Gareth Bale sind die bekanntesten Beispiele dafür. Eine Rechnung, die aufgeht?
Die 100 Millionen für Ronaldo haben sich auf jeden Fall rentiert, wenn man die Einnahmen aus den Trikotverkäufen und die internationalen Erfolge in dieser Ära nimmt. Für Spieler wie Gareth Bale oder seinerzeit James Rodriguez gilt es auch, weil sie neue Märkte geöffnet haben. Real hat mit dieser Mannschaft dreimal in vier Jahren die Champions League gewonnen, was sich auch in den Bilanzen positiv niederschlägt. Wenn man sich die Umsätze und Gewinnen ansieht, dann reden wir über einen globalen Fußballgiganten. Ich denke, dass der Verein im Sommer wieder kräftig investieren wird. Spieler wie Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos sind nicht mehr die Jüngsten und Gareth Bale ist verletzungsanfällig.