Christoph Metzelder über Bayern-Real

»Der professionellste Spieler, den ich je erlebt habe«

Christoph Metzelder kennt die Bundesliga in und auswendig und hat drei Jahre für Real Madrid gespielt. Ein Gespräch über die Marotten von Cristiano Ronaldo, den Wettbewerbsnachteil der Bayern und die Stärken von Jupp Heynckes.

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Christoph Metzelder, als Cristiano Ronaldo in der Nachspielzeit des Viertelfinal-Rückspiels gegen Juve zum Elfmeter anlief, waren Sie sich sicher, dass er verwandelt?
Ehrlich gesagt habe ich das Spiel gar nicht live gesehen. Ich hatte mit meiner U19-Mannschaft Training. Aber Cristiano ist für solche spielentschiedenden Momente geboren, gerade dann übernimmt er Verantwortung. Er pustet ein paar Mal durch und macht ihn rein.

Und wie – sein Strafstoß war perfekt geschossen...
Es ist ja nicht nur seine Nervenstärke, Cristiano verfügt auch über eine überragende Schusstechnik – und das ist beim Elfmeterschießen mehr als die halbe Miete. Selbst wenn ein Torhüter die Ecke ahnt, hat er keine Chance, wenn der Ball scharf und platziert geschossen ist.

Nach seinem Tor riss sich Ronaldo das Trikot vom perfekten Leib und posierte vor den Zuschauern – das sind die Gesten, mit denen Ronaldo den Zorn und Spott vieler Fußballfans auf sich zieht.
Es war das Foto des Tages – und das weiß er auch. Das gehört zur Marke CR7. Das ist aber auch Ausdruck eines überbordenden Ehrgeizes. Die Szene später in der Mixed-Zone, als er Buffon umarmt und tröstet, zeigt auf der anderen Seite den Sportsmann und Menschen Cristiano Ronaldo. Ihm wird in der Außendarstellung oft Unrecht getan. Ich kenne keinen Spieler, der etwas Negatives über Ronaldo gesagt hat. Unter seinen Kollegen genießt er einen riesigen Respekt.

Können Sie sich noch Ihr erstes Treffen mit Ronaldo bei Real Madrid erinnern?
(Überlegt) Nicht wirklich. Ich weiß nur noch, dass mir im Training sofort seine unfassbare Sprungkraft aufgefallen ist. Ansonsten hat sich Cristiano in der Kabine sehr umgänglich gezeigt. Da war übrigens jeder Mal Zielscheibe des Spotts seiner Mitspieler – auch Cristiano. Und er hatte kein Problem damit. In der Kabine zu Späßen aufgelegt und auf dem Trainingsplatz der mit Abstand professionellste Spieler, den ich je erlebt habe. Cristiano war der Erste, der kam und der Letzte, der ging. Ansonsten hat er sehr zurückgezogen gelebt. Bei Mannschaftsessen oder -feiern war Cristiano oft nicht dabei oder hat sich als einer der ersten wieder verabschiedet.

Es gibt keinen Fußballstar, der so polarisiert wie Cristiano Ronaldo. Die einen verehren ihn, die anderen hassen ihn wegen seiner Selbstinszenierung auf und abseits des Platzes. Kränkt ihn diese Abneigung oder lässt ihn das kalt?
Ich bin mir nicht sicher, ob es ihm völlig egal ist oder ob er nicht verstehen kann, warum er nicht uneingeschränkt geliebt wird. Gerade in Deutschland sieht man Cristiano besonders kritisch. Bei uns spielt das Team eine größere Rolle und die Fähigkeit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Und von Cristiano Ronaldo kennt man Szenen, in denen ein Mitspieler ein Tor schießt und alle jubeln mit ihm, nur Cristiano eben nicht – nach dem Motto: ›Ich will 4:0 gewinnen und dabei auch noch alle Tore selbst schießen‹. Dieses Niemals-Zufrieden-Zu-Sein ist andererseits eine Fähigkeit, die Cristiano so stark macht und die ich noch bei keinem anderen Spieler in dieser Form erlebt habe. Bis auf den WM-Titel hat er alles gewonnen. Und trotzdem hat er kein bisschen nachgelassen. Das ist fast unmenschlich.