BVB-Fan Friedrich Küppersbusch über seine Liebe

»Bayern? Einfach Fresse halten«

Grimme-Preisträger Friedrich Küppersbusch hatte vor dem Pokalfinale eine hübsche Song-Idee. In Interview spricht er aber auch über Biene Maja, den Gegner aus München und Dortmunder Schlager.

imago

Friedrich Küppersbusch, Grimme-Preisträger (für die Moderation der WDR-Politiksendung ZAK in den Neunzigern), Kolumnist diverser Radiosender sowie Fernsehproduzent u.a. von »Bauerfeind« (3Sat), ist inniger BVB-Fan. Vorm DFB-Pokalfinale spricht er über Fangesänge, Biene Maja und eine Fußballmusikschallplatte, die er vor vielen Jahren einspielte.


(Foto: Presse WDR)

Friedrich Küppersbusch, Sie äußerten jüngst die Idee, fürs Pokalfinale »Jupp Heynckes - der beste Mann der Welt«-Sprechchöre einstudieren zu wollen. Sind Sie ein leidenschaftlicher Stadionsänger?
Nicht sehr. Man kann ja ins Stadion gehen, weil man immer rumbrüllt oder weil man da mal ausnahmsweise rumbrüllt. Da bin ich eher letzterer Typ.

Beim Pokalfinale wird es sicher auch eine musikalische Beschallung geben, in der Vergangenheit traten im Vorprogramm schon Acts wie Nina Hagen auf. Wen würden Sie sich am Sonnabend wünschen?
Ach, ich fänd’s okay, wenn einfach die Bayern die Fresse halten würden, und den Rest macht Norbert Dickel.

Aber nicht wieder mit Karel Gott im »Schwarzgelb-wie Biene Maja«, mit dem sie 1996 in Dortmund, und nur dort, reüssierten.
Die Nummer war ja in gewisser Hinsicht auch eine Spätfolge des Pokalfinales 1989, bei dem Norbert Dickel die entscheidenden Tore schoss. Vor dem Finale waren die BVB-Traditionen sehr beschworen worden, wodurch das Thema Schwarz-Gelb wieder aufkam. In der Lokalpresse hieß es, die Borussen müssten gewinnen, weil sie ja wieder die Biene-Maja-Stutzen trügen, wie immer bei besonderen Spielen. Die Biene Maja bezog sich also zuerst auf die Trikotagen und dann hat die Süd zur Melodie von »Biene Maja« ein Lied gesungen – den Text weiß ich leider nicht mehr -, woraufhin die Plattenfirma oder das Management von Karel Gott aufgesprungen ist, weil dessen Karriere Mitte der Neunziger ja auch schon schlingerte. Das Lied ist sozusagen von der Süd wieder wachgerufen worden und dann hat sich der Meister da draufgesetzt. 



War das der Tiefpunkt der Fußballmusik bei Borussia?
Ne, ich glaube, in dem Genre gelten einfach andere Kriterien. Tatsächlich wird ja auch beim Pokalfinale das völlig unsägliche Siebzigerjahregebräu »Heja BVB« gespielt, das popkulturell noch einen Grad schlimmer ist als »Biene Maja«. Aber es geht ja bei dieser Musik ausschließlich darum, dass sie so eine Art Code ist, mit dem man sich verständigt. Wenn diese Töne erklingen, egal wie grausam sie sein mögen, weiß man, wo und mit wem man ist. »Heja BVB« (von Karl-Heinz Bandosz, d.Red.) ist zwar ein beschissen aufgenommenes Lied, aber ich mag es trotzdem, weil es seit über 30 Jahren ohne Rücksicht auf Verluste vor jedem Spiel im Westfalenstadion gespielt wird und weil es inzwischen auch richtig alt klingt. »Mein Stern Borussia«, von einer Frauenstimme gesungen, ist übrigens eine noch schrecklichere Kitscharie. Und zur Liturgie gehört ja standardmäßig halt auch »You’ll Never Walk Alone« mit dieser Sollbruchstelle, wo das Stadion ohne Playback weitersingt.

Manche sagen, der Song gehöre eigentlich nur zu Liverpool.
Na ja, es hat zumindest kein großen Fangemetzel gegeben, als Liverpool neulich in Dortmund war und der Gästeblock sozusagen der Anmaßung beiwohnen musste. Lustig war natürlich, dass, als das Spiel für uns schiefging, der Liverpool-Block umso lauter gesungen, quasi sich und seine Hymne behauptet hat. Das ist dann natürlich völlig okay. Es ist auch immer eine Frage, wie der Song behandelt wird. Ein Bundesligaspiel vorher hatte es diese Situation gegeben, dass ein Fan während des Spiels auf der Südtribüne einen tödlichen Herzschlag erlitt. Als sich die Nachricht rumsprach, wurde es still im Stadion, weil auch niemand richtig wusste, was los war. Als die Fans dann mitten im Spiel »You’ll Never Walk Alone« anstimmten, bekam man schon Gänsehaut.