Bradfords verrückter Podcast

»Wir sind immer noch besoffen«

Bradford City war die Sensation der Pokalsaison. Der Drittligist schlug Chelsea auswärts und Sunderland daheim. Danach sprach England über Bradfords besonderen Trainer – und zwei verrückte Podcaster.

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Dominic Newton-Collinge, bis zum Viertelfinale des FA-Cups gegen Reading hat Ihr Team Bradford immer gewonnen, wenn Sie einen Live-Podcast gemacht haben.
Die Klubverantwortlichen und der Trainer haben schon gesagt, dass es nur ans uns liege. Nein, nein, aber ist schon irre, vor allem weil wir Chelsea und Sunderland geschlagen haben. Vielleicht sind wir wirklich so eine Art Glücksbringer.

Im FA-Cup warf Bradford als Drittligist sensationell die Großen raus, erst Chelsea, dann im Achtelfinale Sunderland. Wie war die Atmosphäre im Stadion?
Der Wahnsinn, unser Stadion Valley Parade war seit 40 Jahren nicht mehr so voll. Die Fans sorgten von der ersten bis zur letzten Minute für einen unglaublichen Lärm. Wissen Sie, es war diese Stimmung, bei der deine Knochen zittern und dein Herz schneller schlägt. So etwas habe ich bei Bradford noch nie erlebt.



Sie kommentieren die Spiele durchgehend live. Doch gegen Sunderland mussten Sie den Podcast unterbrechen.
Ja, alles lief wie immer, bis von den oberen Rängen ein Becher Kaffee herunterfiel und sich genau über meinen Computer verteilte. Funken sprühten und mein Mac starb. Ich war außer mir vor Wut, wollte dem Idioten an den Kragen - doch als ich mich umdrehte, sah ich, dass es ein junger Typ war. Nun besitze ich einen sehr teuren Briefbeschwerer.

Nicht der erste Zwischenfall, während des Sieges gegen Chelsea sind Sie angegriffen worden.
Das war bizarr. Bradford City machte gerade das dritte Tor, Tom und ich rasteten aus auf den Presseplätzen. Das stellte sich als keine so gute Idee heraus, da um uns herum nur Chelsea-Fans saßen. Einer von denen kam rüber, schlug mir ins Gesicht und riss mir das Mikro weg. Er schrie »Ihr seid immer noch scheiße!« und rannte mit dem Mikro davon. Es war sehr aufregend und ließ die Zuhörerzahlen des Podcasts in die Höhe schnellen (lacht). Ich muss auch dazu sagen, dass die meisten Chelsea-Fans sehr höflich waren und uns nach dem Spiel gratulierten.

Sie haben Chelsea auswärts mit 4:2 geschlagen. Mal ehrlich, wie lange brauchten Sie, um wieder nüchtern zu werden?
Wir waren doch schon high, als wir die Presseräume an der Stanford Bridge betreten haben. Was für ein Stadion! Als wir dann relativ schnell 0:2 zurück lagen, ging es uns schrecklich, wir rechneten mit einer 0:7-Klatsche. Dann passierte ein Wunder. Auf diese Art beim wohl besten Team in England als Drittligist zu gewinnen, das war surreal, ein Traum. Ich glaube, wir sind immer noch davon besoffen.

Ihr Trainer Phil Parkinson überrumpelte mit seiner Taktik Josè Mourinho. Nach dem Spiel sangen Bradfords Fans: »Parkinson is the special one«.
Er ist der Vater des Erfolgs, ohne Frage. Als er zu uns kam, kämpften wir in der vierten Liga ums Überleben. Er führte uns ins Finale des Ligapokals, zum Aufstieg, dann zum Klassenerhalt und nun zu dieser Sensationssaison im FA-Cup. Und es ist noch lange nicht vorbei. Ich wünschte, er wäre mein Vater. Hey Dad, nix gegen dich, falls du das lesen solltest.

Für Bradford war im Viertelfinale Schluss. Dennoch war es ein denkwürdiger Wettbewerb. Sie wurden im ganzen Land zu Talkshows eingeladen. Was machen Sie eigentlich beruflich?
Wir sind freiberufliche Moderatoren, also können wir uns unsere Zeit selbst einteilen. Wir haben den Podcast 2009 ins Leben gerufen und bei bestimmten Spielen damit sogar die iTunes-Charts angeführt. Wir arbeiten sehr hart an dem Podcast, haben aber auch treue Zuhörer – und unterstützen einen geilen Verein.