Best of 2015: Schmiedebach über Statussymbole und Hannover

»Wenn ich Bock habe, gehe ich auf den Bolzplatz«

Manuel Schmiedebach von Hannover 96 hält nicht viel von Statussymbolen, fährt mit dem Bus zum Training und wäre gerne Rechtsanwalt geworden. Für uns eines der Interviews des Jahres.

Imago

Manuel Schmiedebach, ist das Leben als Fußballprofi so, wie sie es sich früher vorgestellt haben?
Ehrlich gesagt, hatte ich keine konkrete Vorstellung. In meiner Jugendzeit bei Hertha BSC hatte ich einen guten Kumpel – Elias Pech. Wir haben uns oft darüber unterhalten: Was meinst du, wie sieht es in fünf Jahren aus? Haben wir es dann geschafft oder nicht? Aber wir hatten beide keine Idee, wie das Leben als Fußballprofi aussieht.

Was haben Sie denn bei Hertha von diesem Leben mitbekommen?
Man sieht die Autos der Profis auf dem Hof.

Sie haben weder ein Auto noch einen Führerschein – und gelten schon fast als Sonderling, weil Sie leere Pfandflaschen zum Supermarkt zurückbringen.
Das ist Quatsch, das machen die anderen doch genauso.

Ist es für einen Fußballer ein Nachteil, wenn er für die Öffentlichkeit als anders gilt?
Normalerweise sollte es kein Nachteil sein, als bodenständig zu gelten. Spieler, die ein bisschen ausgeflippter sind, haben eher ein Problem, weil sie in einer bestimmten Schublade stecken. Und hier in Hannover weiß sowieso jeder, wie ich ticke, wie man mit mir umzugehen hat, wie man mich zu nehmen hat.

Pflegen Sie Ihr Image bewusst?
Überhaupt nicht. Es ist ja mittlerweile eher so, dass ich nur wenige Interviews gebe. Dass ich mit Ihnen dieses Interview mache, ist eher eine Ausnahme.

Warum?
Die ersten zehn Interviews gingen nur darum, dass ich keinen Führerschein habe, dass ich mit dem Bus zum Training komme, wie viele Nationalitäten ich habe. Immer dieselben Fragen. Da hätte ich auch einen Sprachcomputer auf den Tisch legen und wieder gehen können. Irgendwann hast du da einfach keine Lust mehr darauf. Ich habe sogar schon überlegt, dass ich einfach sage: Ich habe meinen Führerschein gemacht – nur damit ich meine Ruhe habe.

Es ist halt immer noch etwas Besonderes, wenn ein Fußballer kein dickes Auto fährt, sondern öffentliche Verkehrsmittel nutzt.
Wieso? Marco Reus fährt doch auch mit der Bahn! (Lacht) Nein, im Ernst, was ist denn besonders daran? Für mich ist das einfach praktisch. Wenn ich nach Berlin zu meiner Familie will, brauche ich mit dem Zug aus Hannover eine Stunde zwanzig bis Spandau. Mit dem Auto wäre ich drei Stunden unterwegs. Ich habe ja sogar mal angefangen, den Führerschein zu machen. Das war noch in Berlin. Da musste ich aus Geldmangel aufhören. Die 1000 Euro hatte ich einfach nicht.