Best of 2015: Maik Franz über seine Karriere

»Hätte ich Mlapa vor die Flinte bekommen, ich hätte mich revanchiert«.

Wie schon beim KSC lief das erste Jahr gut, im zweiten stiegen Sie ab. Wie kam es zu der »Rückrunde der Schande«, wie sie in Frankfurt heißt, und die im Abstieg mündete?
Eigentlich hat in Frankfurt alles gepasst. Das Team, der Trainer, die Fans. In der ersten Saison spielten wir ordentlich, ich lief als Rechtsverteidiger auf und schoss sechs Saisontore, darunter ein Fallrückzieher gegen Leverkusen zum 3:2-Sieg in der letzten Minute. Die zweite Saison lief zu Beginn sogar noch besser. Wir hatten nach der Vorrunde 27 Punkte und schielten nach oben. In der Rückrunde kamen dann aber nur noch acht dazu und wir stiegen völlig überraschend ab. Ich denke bis heute darüber nach, wie es dazu kommen konnte.

Und?
Ich glaube, wir hatten zu wenige Spieler im Team, die in der Lage waren, Verantwortung zu übernehmen.

Hätten Sie das nicht tun können?
Ich musste in einer entscheidenden Phase sechs Wochen pausieren, weil mir der Mittelfuß gebrochen wurde. Bei all dem körperlichen Spiel und dem ganzen Trash Talk lege ich auf eine Sache wert: Ich habe nie jemanden vorsätzlich verletzt. Das können andere nicht von sich behaupten. Peniel Mlapa, der damals bei Hoffenheim spielte, hat mich gleich zweimal verletzt. Einmal ist er mir in die Seite gesprungen, wovon ich einen Bauchmuskel-Abriss davontrug. In der Rückrunde der Abstiegssaison hat er mir mit gestrecktem Bein den Mittelfuß gebrochen. Und zwar mit Vorsatz. Ich hatte in der damaligen Hoffenheimer Mannschaft einen Kumpel, der mir anschießend steckte, Mlapa hätte schon vor dem Spiel angekündigt, er würde durchziehen, wenn es zu einem Duell kommt. Und das hat er gemacht.

Hat er sich je dafür entschuldigt?
Nie. Es gab eine dieser Alibi-Entschuldigungen via Presse, damit die Leute denken, die Sache sei bereinigt. Aber persönlich kam da nie etwas. Wir trafen nochmal in einem Testspiel aufeinander, da habe ich ihm gesagt, er solle lieber auf die andere Seite gehen. Das hat er dann auch gemacht. Hätte ich ihn vor die Flinte bekommen, ich hätte mich revanchiert.

Da ist er wieder, der Bad Boy der Liga.
Bad Boy hin oder her, ich hätte mich auf jeden Fall entschuldigt, wenn sich ein Gegenspieler nach einem Foul von mir verletzt hätte. Marco Engelhardt hat sich in einem Zweikampf mit mir mal das Kreuzband gerissen. Ich habe ihn direkt angerufen und ihm gesagt, wie leid mir das tut. Mlapas Foul war doppelt bitter, weil ich der Eintracht in einer sehr wichtigen Phase gefehlt habe. Wie schon beim KSC stieg ich quasi auf der Tribüne ab. Das war schade, denn mit Christoph Daum hatten wir einen überragenden Trainer.

Daums Verpflichtung hat damals viele überrascht. In der Außendarstellung war er schwierig, als Trainer galt er als überholt.
Das haben viele gedacht, aber Daum war ein exzellenter Trainer und wahrscheinlich der modernste, den ich je hatte. In den Halbzeiten war für uns bereits eine Videoanalyse der ersten Hälfte aufbereitet. Wir haben die gesamte Woche punktgenau auf den nächsten Gegner hin trainiert, Daum wusste immer, wo dessen Schwächen sind. Ich wäre für ihn durchs Feuer gegangen.

Auch Daum konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Warum nicht?
Vielleicht hätte man schon früher in der Saison härter durchgreifen müssen. Bevor Daum kam, war im Training zeitweise zu viel La Paloma. Ich habe noch versucht, wieder ein bisschen Druck auf den Kessel zu kriegen. In einer Trainingseinheit vor dem Spiel gegen St. Pauli habe ich pausenlos Georgios Tsavellas beackert, ein heißblütiger Grieche, der natürlich voll darauf eingestiegen ist. Plötzlich war wieder Feuer in der Truppe und wir gewannen das Spiel, unser einziger Sieg in der Rückrunde. Es war auch wieder mehr Zug im Training, aber wir hatten wahnsinniges Pech in den letzten Spielen und holten nicht mehr die nötigen Punkte.

War ein Verbleib in Frankfurt nach dem Abstieg keine Option?
Ich wäre gerne in Frankfurt geblieben. Ich habe zu Heribert Bruchhagen gesagt, dass ich so eine Aufstiegssaison gerne mitmachen würde. Aber in der Zweiten Liga verdienst du knapp 50 Prozent weniger als in der Ersten, deswegen wäre nur eine langfristige Lösung für mich in Frage gekommen. Die Eintracht bot mir jedoch nur einen Zweijahresvertrag. Und dann ist Armin Veh Trainer geworden, damit war die Sache ohnehin erledigt.

Warum?
Bei dem Konflikt mit Gomez war Veh dessen Trainer. Er hat sich damals öffentlich über mich geäußert und meine Erziehung in Frage gestellt. Ich wusste, dass das nicht funktionieren würde.