Best of 2015: Maik Franz über seine Karriere

»Dann gehst du wie ein Gladiator vom Platz.


In der Bundesliga angelangt, veränderte sich auch ihr Ruf. Stuttgarts Mario Gomez nannte Sie nach einem Spiel im Frühjahr 2008 ein »Arschloch«. Was war passiert?
Wir hatten ein intensives Spiel gegen den VfB, in dem ich mir viele harte Duelle mit Gomez lieferte. Manche waren vielleicht zu hart, trotzdem hätte er sich im Interview zurückhalten sollen. Danach war ich nämlich Freiwild. Die »Bild« machte mit einem Foto von mir auf, darunter stand: »Der meistgehasste Spieler der Liga«. Damals war das eine Lawine, auch wenn ich das mit sieben Jahren Abstand natürlich entspannter sehe. Wirklich gespürt habe ich das auch nur auswärts. Karlsruhe war damals wie das gallische Dorf aus »Asterix & Obelix«. Der Verein, das Team und die Fans standen hinter mir. Aber die Auswärtsspiele waren feurig.

Mario Basler sagte mal, wenn er von 80.000 Leuten in Dortmund 90 Minuten lang ausgepfiffen wird, würde ihn das eher anspornen.
Das kann ich komplett nachvollziehen. Wenn ich in Dortmund oder Hamburg aus dem Bus gestiegen bin und mir noch auf dem Parkplatz die ersten Beschimpfungen anhören durfte, dann wusste ich: Heute wird es geil. Dann nach ein paar Minuten die erste Grätsche auspacken, die Leute auf den Rängen ausflippen lassen und am besten noch drei Punkte mitnehmen. Dann gehst du wie ein Gladiator vom Platz.

Ihren Ruf hatten Sie weg, aber die Diskussion wurde irgendwann nicht mehr allzu hitzig geführt. Wie kam es?
Nachdem ich eine Weile lang öffentlich ziemlich zerrissen wurde, meldeten sich ein paar Spieler und Trainer zu Wort, die Position für mich bezogen. Stefan Effenberg, mit dem ich in Wolfsburg noch ein Jahr zusammengespielt hatte, sagte in der Presse, dass sich alle mal beruhigen sollten und ich genau so weiterspielen solle. Thomas von Heesen, der damals als Trainer mit Nürnberg im Abstiegskampf steckte, sagte, dass er einen wie mich gerne im Team hätte.

Hatten Sie wegen Ihres Rüpel-Images je Probleme im Privaten?
Es gab schon öfter mal einen dummen Spruch. Abends in der Bar oder wenn ich im Urlaub mal Fans anderer Vereine getroffen habe. Ich habe dann immer versucht, mit den Leuten zu reden. Die haben dann recht schnell gemerkt, dass ich privat ganz anders bin.

Hat Ihr Umfeld unter Ihrem Image gelitten?
Meine Mutter ist Berufsschullehrerin. Plötzlich musste sie sich montags Dinge anhören wie: »Was wollen Sie uns denn erzählen? Erziehen Sie erstmal Ihren Sohn, bevor Sie uns erziehen wollen«. Wenn die Familie plötzlich angegriffen wird, tut das sehr weh. Das hat mich mehr beschäftigt als die persönlichen Anfeindungen.

Sie haben während Ihrer Karriere stets mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet. Hat Ihnen das geholfen, die Kritik auszublenden?
Seit meiner Zeit in Wolfsburg habe ich mich regelmäßig mit einem Mentaltrainer getroffen. Das war sehr hilfreich, die Dinge richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Aber auch in der Spielvorbereitung hat er mir gute Tipps gegeben. Ich habe viel mit Visualisierung gearbeitet, mir konkrete Spielsituationen vorgestellt, in denen ich gut aussehe. Ein gelungener Pass, ein wichtiger Zweikampf. Dazu hatte ich motivierende Sätze, die ich währenddessen mantraartig wiederholt habe. »Ich gewinne alle Zweikämpfe« oder »Fehler können mich nicht erschüttern«. Auf diese Weise bin ich mit einem positiven Gefühl ins Spiel gegangen. 

Nach zwei Jahren in Karlsruhe gingen Sie 2009 zu Eintracht Frankfurt. Dort war Ioannis Amanatidis Kapitän, der kurz zuvor noch über Sie gesagt hatte. »Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Aber viel wird es nicht sein«. Hat es in der Frankfurter Kabine nicht sofort geknallt?
Ama war in Frankfurt Publikumsliebling und absoluter Leitwolf, von daher war das schon eine Konstellation mit Konfliktpotential. Als ich an meinem ersten Tag in die Kabine kam, lag er auf der Massagebank. Ich habe ihn direkt gefragt, ob wir nach dem Training gemeinsam zu Mittag essen wollen. Das haben wir dann getan, uns ausgesprochen und beschlossen, gemeinsam für die Eintracht Gas zu geben. Er war ein super Fußballer und ein echter Typ, an dem sich viele andere auch mal gestoßen haben. Aber wir mochten uns und wir haben auch heute noch Kontakt.