Axel Witsel über Lucien Favre, Marco Reus und den Titelkampf

»Die Haare bleiben dran«


Axel Witsel ist der Chef im Dortmunder Mittelfeld und soll dafür sorgen, dass die Meisterschale im Sommer endlich wieder im Ruhrgebiet landet. Auf dem Weg dahin lässt er sich von niemandem verrückt machen. Auch nicht vom FC Bayern.

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Hinweis/Anzeige: In dieser Woche wurde im Berliner Vollgutlager ein neuer Puma-Fußballschuh vorgestellt, der Puma Future 19.1. Neben Spielern wie Luis Suarez, Mo Dahoud, Davie Selke und Julian Weigl war auch Axel Witsel anwesend.

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Axel Witsel, kannten Sie Lucien Favre, bevor Sie nach Dortmund gewechselt sind?

Persönlich nicht. Aber der Name war mir natürlich ein Begriff. Was er bei Gladbach und bei Nizza gemacht hat, das habe ich verfolgt.

In Deutschland eilt ihm der Ruf als Fußball-Nerd voraus. Zurecht?

Sagen wir es so: Er liebt seinen Job. Wenn wir unter der Woche kein Spiel haben, lässt er gerne mal zwei Stunden oder noch länger trainieren. Nach jeder Partie geht er auf Details ein, auf kleine Fehler, selbst, wenn wir mit 3:0 gewonnen haben. Aber das ist auch gut so. Der Erfolg, den wir aktuell haben, verdanken wir vor allem ihm.



Wie war ihr erster persönlicher Eindruck von ihm?

Sehr gut. Er hat eine ruhige Art und lässt sich nicht stressen. Außerdem spricht er viel mit uns älteren Spielern, mit Marco Reus etwa oder mit mir.



Marco Reus ist seit diesem Jahr Kapitän von Borussia Dortmund. Sind Sie zufrieden mit der Art und Weise, wie er diesen Job erledigt?

Marco ist phänomenal. Er ist nicht nur sportlich top, sondern auch außerhalb des Platzes ein guter Typ. Als ich neu in Dortmund war, kam er direkt auf mich zu und bot mir seine Hilfe an. Er meinte, ich solle ihn einfach ansprechen, wenn ich Fragen oder Probleme hätte. Und dass der Klub und er, egal um was es ginge, mir den Start so leicht wie möglich machen wollen. Das war sehr wichtig für mich und meine Familie.

Kürzlich hat er gesagt, dass er niemals zum FC Bayern wechseln wird. Freut man sich als Mitspieler über so eine Ansage?

Ehrlich gesagt habe ich davon überhaupt nichts mitbekommen. Ich lese nicht viel von dem, was über uns geschrieben wird.



Dann haben Sie womöglich auch ein großes Lob verpasst. Denn Reus hat kürzlich behauptet, dass Sie genau der Spieler seien, der Dortmund zuvor gefehlt habe. 

Die Saison, bevor ich zu Dortmundet wechselte, war für den Verein eine sehr schwierige. Bis zum Herbst 2017 lief alles wie am Schnürchen – sieben Spiele, sieben Siege – doch danach gab es Probleme, die Ergebnisse stimmten nicht mehr. Deswegen war klar, dass sich der Verein und die Mannschaft im Sommer ein Stück weit erneuern würden. Gerade im Mittelfeldzentrum fehlte es im Kader ein wenig an Erfahrung.

 Als international erfahrener Spieler passte ich also gut hier her. 

Ein anderer zentraler Mittelfeldspieler mit großer Erfahrung ist Mario Götze. Unter Lucien Favre spielt er allerdings im Sturm. Wie frustrierend ist es für ihn, dass die Tore trotzdem immer Paco Alcacer schießt und nicht er?

Derzeit hat er vielleicht nicht die dankbarste Rolle, aber er ist und bleibt ein enorm wichtiger Spieler für uns. Jeder kennt Mario Götze, die ganze Welt weiß, dass er ein Topspieler ist. Er hat die Weltmeisterschaft gewonnen, als er gerade mal 22 Jahre alt war.


Wie wichtig ist die Südtribüne für Sie als Spieler?

Als ich für Zenit St. Petersburg spielte, mussten wir auswärts in Dortmund antreten. Ich habe die »Gelbe Wand« also als Spieler einer gegnerischen Mannschaft zu spüren bekommen. Vor dieser Kulisse nun alle zwei Wochen ein Heimspiel zu haben, ist unglaublich.

Haben Sie schon vom Borsigplatz gehört?

Ich habe für vier Jahre in Dortmund unterschrieben. Und ich hoffe sehr, dass ich innerhalb dieser Zeit mit mindestens einer Trophäe auf dem Borsigplatz auftauchen kann. Denn von allem, was ich gehört habe, muss die Stimmung in dieser Stadt nach einem Titel ziemlich heftig sein.

Weil Bayern am vergangenen Wochenende einen Tag vor dem BVB spielte, rückten die Münchener für eine Nacht bis auf drei Punkte an den BVB heran. Sofort war auch die eine oder andere Kampfansage aus München zu hören. Fühlen Sie sich davon unter Druck gesetzt?
Ach, noch ist das doch alles harmlos. Und ich persönlich habe damit überhaupt kein Problem. Ich habe mir das Spiel der Bayern am Freitag zum Beispiel gar nicht angeschaut. Denn für mich zählt nur eines: unsere Truppe. Wir müssen uns auf den Moment fokussieren, auf unsere eigene Leistung, im Training wie im Spiel.

Ihr Kumpel Marouane Fellaini hat sich seinen Afro im vergangenen Jahr abgeschnitten. Ziehen Sie nach, wenn Sie mit Dortmund Meister werden sollten?
Nein, auf keinen Fall. Die Harre bleiben dran! Ich habe zwar mal gesagt: »Wenn ich Weltmeister werde, rasiere ich mir den Afro ab.« Aber mittlerweile hänge ich an der Frisur. Sehr sogar. 





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