Ausstellung »Tatort Stadion« in Berlin

»Nazis am Millerntor«

Nazis am Millerntor? Antisemitismus in den Bundesliga-Kurven? Die Ausstellung »Tatort Stadion 2« im Berliner Fußball-Laden GOAL legt den Finger in die Wunde. Wir sprachen mit Inhaberin Tülin Duman über das Langzeitprojekt. Ausstellung »Tatort Stadion« in Berlin

Tülin Duman, am 7. März um 18 Uhr eröffnest Du in Deinem Berliner Fußball-Laden »GOAL« die Ausstellung »Tatort Stadion 2«. Was erwartet die Besucher?

»Tatort Stadion 2« ist eine Ausstellung, die seit 2001 vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) konzipiert und erstmals 2006 in ganz Deutschland der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die jetzige Ausstellungsreihe ist noch einmal komplett überarbeitet worden und hat natürlich auch einige neue Stücke dabei. Wenn man so will, ist »Tatort Stadion« eine Mahnwache gegen Diskriminierungen aller Art im Fußball, also vor allem Antisemitismus, Rassismus, Homophobie, Seximus und Nazismus.

[ad]

Was sind das für Ausstellungsstücke und wer sammelt die überhaupt?

Das sind ganz unterschiedliche Stücke, vor allem aber beschlagnahmte T-Shirts, Mützen, Jacken, Fahnen und so weiter. Das ein oder andere »Thor Steinar«-Logo (eine Kleidungsmarke, die in den meisten deutschen Stadien inzwischen verboten ist, d. Red.) wird man sicherlich zu sehen bekommen. Zusätzlich stellt die BAFF, die die Ausstellungsstücke seit Jahren sammelt, als Veranstalter Audio- und Videomaterial zu den Themen zur Verfügung.

Was ist das Ziel dieser Ausstellung, die ab Montag einen Monat lang im »GOAL« zu sehen sein wird?

Die Message ist klar: Wach bleiben! Auch wenn sich viel in den vergangenen Jahren im Stadion und bei den Fans getan hat, auch wenn sich die meisten Fangruppen inzwischen selbst kontrollieren, sollten man bei Diskriminierungen jeglicher Art weiterhin aufmerksam bleiben. Der Mist hat im Stadion nichts zu suchen. Und wie präsent zum Beispiel die Nazi-Symbolik in deutschen Stadion selbst 2011 noch ist, zeigt die Ausstellung. Mit der am Millerntor sichergestellten Nazi-Klamotte hätte ich persönlich jedenfalls nicht mehr gerechnet.

Du selbst bist mit Deinem Fußballkultur-Laden »GOAL« erst frisch in die Berliner Ritterstraße 12-14 umgezogen. Auf der Homepage heißt es »Eine Welt für Fußball« – was erwartet die Gäste in diesem Kosmos?

Natürlich alles, was zur normalen Grundausstattung jedes Fußballverrückten gehört: Filme, Bücher, Retro-Trikots, Frühstücksbrettchen. Und für Liebhaber die gesamte Palette an Tippkick-Zubehör, Flutlichtanlage inklusive. Ganz besonders stolz bin ich allerdings auf die Sektion von Fußball-Literatur, die nur in sehr geringer Auflage erscheint. Da hat man nach dem Kauf das schöne Gefühl, eine echte Rarität erworben zu haben.

Tülin Duman, so kurz vor dem Start der »Tatort Stadion 2«-Ausstellung: Was ist momentan das akuteste Problem in deutschen Fußball-Stadien – Rassismus, Nazis, Homophobie...?

Ich denke, dass die jeweils besonders akuten Probleme sich regional unterscheiden. Beispielsweise sind die Themen Antisemitismus und Nazismus hier im Osten präsenter, als im Norden oder Westen. Aber man sollte das Hauptproblem Diskriminierung nicht unbedingt in Einzelteile zerlegen. Was bringt mir ein Antifaschist, der die Spieler der gegnerischen Mannschaft als »blöde Schwuchteln« bezeichnet?

-----
Die Ausstellung »Tatort Stadion 2« wird am 7. März um 18 Uhr im Berliner Fußball-Laden »GOAL« in der Ritterstraße 12-14 (Innenhof-links) feierlich eröffnet und wird dann einen Monat lang zu sehen sein. Am Montag u.a. zu Gast: Martin Endemann (BAFF), Bernd Schultz (Präsident des Berliner Fußballverbandes), Stefanie Lohaus (Missy Magazine), Eren Ünsal (Leiterin der Landesantidiskriminierungsstelle) und Tülin Duman (GOAL).