Augsburgs Finnbogason über Islands Weg zur EM

»Wir sind einsame Wölfe«

Alfred Finnbogason spricht über die rasante Evolution des isländischen Fußballs, seinen Wechsel in die Bundesliga und einen Allwissenden auf der Trainerbank.

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Alfred Finnbogason, Sie sind im Winter zum FC Augsburg gewechselt. Was sind ihre ersten Eindrücke von der Bundesliga?
Die Atmosphäre in deutschen Stadien ist großartig. Das war ein Grund, warum ich mich für die Bundesliga entschieden habe. Die Fans sind unglaublich. Der Fußball ist schnell und aggressiv. Hier musst du insbesondere körperlich auf der Höhe sein, dich voll reinhängen, eine hohe Laufbereitschaft zeigen. Das ist ein Stil, der mir persönlich sehr liegt.

Sehen Sie Parallelen zwischen dem Spielstil der isländischen Nationalmannschaft und dem des FC Augsburg?
Definitiv. Das Team tritt ebenfalls als eine starke Einheit auf und zeigt hohe Laufbereitschaft. Ich stehe schon seit über zwei Jahren in Kontakt mit dem Verein und habe mich mit dem Stil von Markus Weinzierl sehr auseinandergesetzt. Da habe ich schon früh Parallelen erkennen können.

Ist die Bundesliga ein attraktives Ziel für einen Isländer?
Auf jeden Fall. Die Qualität im isländischen Fußball steigt immer weiter, so werden auch die Spieler nach und nach versuchen, in den attraktivsten Ligen der Welt Fuß zu fassen. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, das ist der logische Schritt. Ich hoffe, dass ich vielleicht ein paar Türen öffnen und etwas dazu beitragen kann. Ich glaube, Isländer sind enorm flexibel. Man findet uns überall, allerdings nicht in großer Zahl. Wir sind einsame Wölfe, maximal jagen wir in kleinen Rudeln. (Lacht.)

Bereits 2014 stand Island kurz vor der Qualifikation zur WM. Nun fahren Sie zur EM. Was hat sich in Island geändert, dass Sie dieses Ziel erreichen konnten?
Um die Jahrtausendwende wurde begonnen, die Bedingungen in Island zu verbessern. Es wurden im ganzen Land Trainingshallen gebaut, komplett überdachte und beheizte Plätze. Früher konnte man nicht länger als vier oder fünf Monate draußen spielen, das ist für Leute aus vielen Ländern ein absurder Gedanke. Nun kann jeder das ganze Jahr lang unter besten Bedingungen trainieren. Das war ein gigantischer Schritt für den isländischen Fußball. Wir besitzen jetzt einige der modernsten Anlagen in ganz Skandinavien.

In einem Land mit nur etwas mehr als 300.000 Einwohner kommt besonders dem Nachwuchs eine wichtige Rolle zu. Was hat sich im Jugendbereich getan?
Schon die untersten Altersklassen werden jetzt in ganz Island von ausgebildeten Trainern betreut, das ist selbst in England oder Deutschland oft nicht der Fall. Das Niveau ist mittlerweile enorm hoch, man muss einen Trainerschein gemacht haben, um überhaupt ein Team zu trainieren. Früher waren es bei den Kindern oft fußballinteressierte Eltern, die ein Team betreuten. Damit ist jetzt von Anfang an für einen gewissen Qualitätsstandard gesorgt. Bis zur Volljährigkeit kann außerdem jeder am Training einer beliebigen isländischen Mannschaft teilnehmen.