Asche&Wurst – ein Fanclub für die Kreisliga

»Charme des Unprofessionellen«

»Asche&Wurst« heißt die Kreisliga-Imagekampagne, die Paul Schoemaker im Rahmen seiner Bachelorarbeit ins Leben rief. Wir sprachen mit dem Studenten über seine Liebe zum »Kackfußball«.

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Paul Schoemaker, Sie haben die Kampagne »Asche&Wurst - der Fanclub für die Kreisliga« ins Leben gerufen. Handelt es sich dabei um eine Herzensangelegenheit, cleveres Marketing oder bloß ein gutes Thema für eine Bachelorarbeit?
Es ist eine Herzensangelegenheit, denn ich konnte mein Thema für die Bachelorarbeit frei wählen und habe mich bewusst für eine Kampagne entschieden, in der ich mich mit der Kreisliga auseinandersetze. Dass ich selbst jedes Wochenende 80 Kilometer fahre, um in meinem Heimatdorf für den ansässigen Kreisligisten aufzulaufen, hat die Entscheidung sicherlich begünstigt.

Was macht für Sie die Faszination der Kreisliga aus?
Ich liebe diesen ganzen Mikrokosmos, der da hinter steckt. Die Atmosphäre, das Umfeld, aber auch die verkommenen Platzanlagen und die Kneipen in den Vereinshäusern. Das ist eine eigene Welt, in der ich mich wohlfühle. Da erlebt man die lustigsten Dinge.

Zum Beispiel?
In meinem alten Verein gibt es ein Kreisliga-Urgestein aus dem Lehrbuch: Ronny heißt der, Vokuhila, Ohrringe, sieht aus wie der größte Messerschwinger, ist aber vollkommen harmlos. Er war eigentlich schon eher Betreuer als Spieler, kam dann aber zum Spiel und erzählte uns, dass ihm sein Hund morgens gesteckt habe, dass er heute zwei Buden macht. Alle lachten ihn natürlich aus, aber er meinte das wirklich ernst. Es kam es wie es kommen musste: Drei Spieler schafften es mal wieder nicht aus dem Bett, ein anderer verletzte sich kurz vor dem Anpfiff. Ronny wurde eingewechselt und netzte zwei Mal hintereinander blitzsauber ein.

Der DFB betreibt unter dem Titel »Unsere Amateure. Echte Profis« eine Imagekampagne für den Amateurfußball. Was ist bei Ihrem Projekt anders?
Der DFB tut so, als ob Professionalität im Fußball das große Ziel wäre. Ich glaube das Gegenteil gilt für die Kreisliga: Gerade das Amateurhafte im Sport und im ganzen Umfeld macht den Reiz aus. Statt typische Werbe-Phrasen zu dreschen, will ich mit meiner Kampagne deshalb den Charme des Unprofessionellen feiern und die Kreisliga so zeigen, wie sie wirklich ist. Nicht so, wie der DFB sie gerne hätte.

Welche Vorzüge sehen Sie im Amateurfußball gegenüber dem Profisport?
Das Ungeschliffene. Der Profifußball ist für mich eine Marketingmaschine, da kann man als Profi kaum noch authentisch sein. Das beste Beispiel ist ein Interview mit Philipp Lahm. Da sieht man, dass den Spielern systematisch charakterliche Ecken und Kanten abtrainiert werden. In der Kreisliga gibt es noch echte Charaktere, das sind keine Roboter, die nur ihre Leistung bringen.

Aber der Profifußball ist, rein ästhetisch betrachtet, ansprechender.
Sicher und ich schaue genauso gerne auch Profifußball. Aber mich fasziniert auf der anderen Seite dieser lockere Umgang mit dem Thema Leistung und Ambitionen. Wenn man die vermeintlichen Schwächen der Kreisliga offensiv anspricht und sich selbst aufs Korn nimmt, weil der Fußball eben nicht der allerbeste ist, dann wandelt man das Negative automatisch in Stärken um. Das war der Ansatz meiner Kampagne.