Arvid Schenk über sein Albtraum-Debüt

»Torwart ist der schwierigste Job«

Sie stehen mittlerweile nicht mehr beim FC Dundee unter Vertrag. Verschiedene Medien deuteten an, dass Sie aus Enttäuschung über das Spiel den Vetrag aufgelöst hätten.
Dass ich nur bis Anfang 2015 bleibe, war lange vorher klar. Dundee verpflichtete mich vor einem halben Jahr als Back-Up des zweiten Torhüters, und mein Vertrag lief eben im Januar aus. Dennoch hätte ich natürlich gerne gezeigt, dass ich es besser kann, auch wenn ich von meiner Leistung nicht enttäuscht war. Es ist vielleicht mutig, das nach einer 2:6-Niederlage zu sagen, aber das Selbstvertrauen habe ich.

Ihr Vater hat bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul den Zehnkampf gewonnen. Was sagt ein erfolgreicher Ex-Athletikprofi nach so einem Spiel zu seinem Sohn?
Mein Vater begleitet mich schon meine ganze Karriere über. In solchen Momenten ist er ganz Sportsmann, denn er weiß, wie es Sportlern nach solchen Niederlagen geht. Er hat mir mal erzählt, dass er bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele 1992 beim Speerwurf dreimal danebengeworfen hat, dabei hätte er nur ins Feld treffen müssen, um sich zu qualifizieren. Doch er ließ sich nicht hängen, sondern lieferte 1994 seinen besten Wettkampf aller Zeiten ab. Er erklärte mir also, wie wichtig es ist, immer wieder aufzustehen.

Sie haben in Deutschland für den VfL Wolfsburg und den FC St. Pauli gespielt. Wie groß waren die Chancen auf die erste Elf?
In Hamburg habe ich den Sprung zu den Profis geschafft und saß ein paar Mal auf der Bank. Beim VfL Wolfsburg hat mein Körper leider nicht mitgespielt. Ich litt über fast eineinhalb Jahre an einem Patellaspitzensyndrom und konnte nicht an meine Leistungsgrenze gehen. Als ich nach einer Operation zurückkam, war ich älter als die anderen. Das Angebot aus Dundee kam dann für mich zur rechten Zeit, es war sehr verlockend.

Sind Sie zufrieden mit sich?
Ich bin immer zufrieden mit mir. Denn ich versuche stets, alles aus mir rauszuholen.

Wie drückt sich das aus?
Ich hatte bei meinen Ex-Vereinen immer einen oder zwei Torhüter vor mir und habe mir deshalb jedes Spiel hart erkämpft. Darauf bin ich verdammt stolz. Ich bin davon überzeugt, dass ich in den kommenden Tagen den nächsten Schritt in meiner Karriere machen werde, und dort werde ich wieder kämpfen.

Stehen Sie in Kontakt mit einem Erstligaverein?
Ja.

Damit bleiben Sie also im Profifußball.
Ja, absolut.

Herr Schenk, was unterscheidet einen Torhüter von einem Feldspieler?
Ein Torhüter wird für jeden Fehler, den er macht, hemmungslos bestraft. Das ist der große Unterschied. Das ist das Schicksal des Torhüters. Aber genau deshalb bin ich Torhüter geworden. Es ist meine Leidenschaft, diese Fehler zu vermeiden.

Das klingt masochistisch.
Eigentlich schon. Deshalb sagt man ja, dass Torhüter kleine Verrückte sind. Torwart ist der schwierigste Job im Fußball.