Arminia-Fans sammeln für Bremer Prügel-Opfer

»Zweimal klinisch tot«

Im Mai 2012 prügelten Anhänger von Arminia Bielefeld einen Werder-Fan ins Koma. Nun setzen sich Bielefelder Fans für das Opfer ein. Arminia-Geschäftsführer Marcus Uhlig spricht über die grausame Tat und die bemerkenswerte Hilfsaktion.

Screenshot Polizeivideo Bielefeld

Marcus Uhlig, bitte fassen Sie für uns zusammen, was am 5. Mai 2012 in Bielefeld geschah.
Wir hatten gerade ein sportlich völlig bedeutungsloses Spiel in der 3. Liga gegen Werder Bremen II mit 1:0 gewonnen. Die Mannschaft hatte den Abstieg bereits vorher verhindert, jetzt waren wir froh, dass diese schwierige Saison endlich vorbei war. Die ersten Bierchen waren bereits geleert, als ich erfuhr, dass 500 Meter vom Stadion entfernt eine Gruppe Werder-Fans überfallen wurde. Ein Bremer musste schwerstverletzt ins Krankenhaus gebracht werden und befand sich in Lebensgefahr.
 
Wie geht man mit so einer Situation um?
So etwas steht in keinem Lehrbuch, niemand sagt einem, welche Knöpfe man jetzt drücken muss. Wir haben recht schnell eine Art Krisenstab eingerichtet und versucht, Kontakt zu den Angehörigen aufzunehmen. Mich hat das damals sehr mitgenommen, das ist kein Vorfall, den man im Büro lässt, wenn man abends nach Hause geht. Es war für uns alle bei Arminia eine furchtbare Situation.
 
Als Geschäftsführer von Arminia Bielefeld haben Sie sich anschließend für die Tat Ihrer Anhänger rechtfertigen müssen. Wie macht man das?
Das Wort »Anhänger« würde ich in diesem Kontext gerne ganz deutlich in An- und Abführung stellen. Fakt ist, dass ganz Deutschland damals nach Bielefeld geschaut hat und schnelle Antworten haben wollte, die wir nicht geben konnten. Über allem stand ohnehin die Sorge über den schwerverletzten Werder-Fan Malte. Zweimal hatten ihn die Ärzte bereits für klinisch tot erklärt, es war ein absoluter Alptraum. Gott sei Dank konnte er dann irgendwann das Krankenhaus verlassen.
 
Hat er irgendwelche Folgeschäden davongetragen?
Er muss wohl bis an sein Lebensende einen sogenannten Shunt im Kopf tragen, eine Art künstlich gelegte Verbindung, die verhindert, dass der Druck auf das Gehirn zu groß wird. Abgesehen davon ist er Gott sei Dank wieder völlig gesund und geht auch wieder normal zur Arbeit. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt.
 
Elf Angreifer landeten schließlich vor Gericht. Der Haupttäter Philipp G. wurde im Januar 2013 wegen versuchten Mordes zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Kannten Sie den Mann?
Dazu gibt es eine makabre Vorgeschichte: Einige Monate vor der Tat hatten wir Philipp G. wegen eines anderen Verstoßes mit einem Stadionverbot belegt. Mit der Folge, dass er bei Arminia-Heimspielen regelmäßig eine Kneipe unweit vom Stadion aufsuchte, um sich dort zu betrinken. So auch vor dem Angriff auf die Werder-Fans. Insofern darf in diesem Zusammenhang auch die Frage erlaubt sein, wie wirksam solche Stadionverbote wirklich sind.