Andreas »Zecke« Neuendorf über Herthas 2000er

»Für Huub wäre ich durchs Feuer gegangen«

Wie meinen Sie das?
In seiner Zeit fehlte mir oft der Spielrhythmus, was an meinem Körper lag. Ich hatte insgesamt neun Leistenoperationen, allein sieben in Berlin. Es gibt Trainer, für die man durchs Feuer geht. Für Huub wäre ich durchs Feuer gegangen.

Warum?
Ich empfand es als ungerecht, wie mit ihm umgegangen wurde. Er hätte mehr Respekt verdient. Immer ehrlich, immer gerade. Er wollte, dass ein Wir-Gefühl aufkommt. Wir hatten aber ein paar selbsternannte Stars, die dachten, Stevens bräuchte sie, aber nicht umgekehrt. Sie haben nicht verstanden, was er wollte. Er hat uns das vor unser aller Augen verbildlicht. In der Kabine malte er einen Wagen. Vorn standen ein paar Figuren, die den Wagen gezogen haben. Dann hinten welche, die geschoben haben. Manche saßen obendrauf. Und ein, zwei Figuren hatte er so gezeichnet, als würden sie gegen alle anderen arbeiten. Er sagte zu uns: »Und das seid ihr. Das ist der Charakter dieser Mannschaft. Wir können gar nicht Großes schaffen, weil manche nicht verstehen, dass es nur gemeinsam geht.«

Wo waren Sie?
Passen Sie auf: Ich bin zu Huub, ich sagte ihm, dass das Bild ziemlich gut geworden ist. Ich muss erwähnen, dass er mich irgendwie mochte. Er fragte mich: »Hast du dich auch wiedererkannt?« Ich antwortete: »Na klar, Trainer, ich bin der, der den Wagen von hinten richtig anschiebt.« Er sagte: »Nee, nee, du sitzt obendrauf!«

Wie bitte?
Genau das war auch meine Reaktion. Er sagte in seinem Slang: »Junge, du sitzt da obendrauf, weil du nur verletzt bist. Wo schiebst du denn, wo hilfst du mir? Sieh’ zu, dass du gesund wirst.« Dann habe ich Vollgas gegeben und als ich so weit war, war er weg.

Dann kam Hans Meyer ...
Ja, aber erst einmal hat Dieter Hoeneß eine seiner Wutreden in der Kabine gehalten. Hans Meyers erste Sätze waren: »So, meine Herren, wenn wir absteigen, dann passiert nichts! Die Sonne wird trotzdem weiter scheinen, wir werden morgens aufstehen, keiner von uns wird sterben.« Das war das Gegenteil von dem, was Hoeneß gesagt hatte, der einen knallroten Kopf bekam. Hoeneß war zu dieser Zeit fast jeden zweiten Tag in der Kabine und hat eine Wutrede gehalten. Deswegen war das ja so angenehm, dass da mal einer stand, der normal mit uns sprach.

Hans, der Retter?
In seiner ersten Ansprache auf dem Platz hat er dann Nationalspieler Marko Rehmer vor versammelter Truppe rundgemacht. Er wollte alle erden, wir seien alle gleich, jetzt gehe es nur noch um Leistung. Er brauche 14, 15 Leute, mehr nicht. Jeder habe seine Chance und keiner solle sich nach zwei Monaten beschweren, wenn er nicht spielt. Das war Hans Meyer. Wir mussten von morgens bis abends auf dem Gelände bleiben, hatten also einen Zehn-Stunden-Tag. Für verwöhnte Fußballprofis, die um halb zehn kamen und mittags schon wieder im Auto saßen, war das – gewöhnungsbedürftig.

Der Rückrundenstart ging in Bremen gleich 0:4 verloren.
Ja, als Marcelinho noch der fatale Rückpass unterläuft, den Ailton erläuft und ein Tor schießt. Aber da war ich nicht im Kader. Meyer hatte zu mir gesagt: »Ich sehe, du machst das hier ordentlich, aber ich habe nur ein halbes Jahr Zeit. Mir wurde gesagt, du bist immer wieder verletzt. Ich kann nicht auf dich setzen.« Das war hart. Ich sagte dann nur, dass ich brenne, wenn irgendwas ist, bin ich da.