Andreas Ottl über Bayern, Augsburg und seine Vereinssuche

»Ex-Bayern-Spieler«: Fluch oder Segen?

Sie standen zwischen 2012 und 2014 beim FCA unter Vertrag, machten aber nur 13 Spiele. Was lief schief?
Zunächst war die Erwartungshaltung sehr hoch, schließlich war ich der Spieler mit Champions-League-Erfahrung und drei Meisterschaften vom großen Nachbarschaftsrivalen. Dann hatten wir einen sehr holprigen Saisonstart (der FCA stand nach 14 Spieltagen auf Platz 18, d. Red.). Kurze Zeit später verletzte ich mich. Als ich zur Rückrunde wieder fit war, lief es besser, und ich hatte es schwer, wieder in die Mannschaft zu kommen. In der darauf folgenden Saison verpasste ich den Saisonstart wieder verletzungsbedingt, danach fand ich keine Berücksichtigung mehr.
 
Ist die Etikette »Ex-Bayern-Spieler« Fluch oder Segen?
Das ist sehr typabhängig. Die Vergangenheit hat aber schon gezeigt, dass es viele Ex-Bayern-Spieler schwer haben bei neuen Vereinen. Die Erwartungshaltung ist naturgemäß sehr hoch. Ich würde es dennoch nicht als Fluch bezeichnen. Letztendlich ist es doch was Tolles, mal beim FC Bayern gespielt zu haben.
 
Sie sind 29 Jahre alt und haben momentan keinen Verein. Machen Sie sich nicht Sorgen?
Nein. Ich hatte ja mehrere Angebote, habe mich aber dagegen entschieden, denn ich wollte warten, bis es richtig passt. Ich möchte gerne den Schritt ins Ausland machen. Eine neue Kultur, neue Sprache und einen neuen Fußball kennenlernen.
 
Manuel Friedrich ist kürzlich nach Indien gegangen. Wäre das was für Sie?
Das ist ja nur eine Kurzzeitliga. Ich könnte mir aber durchaus auch etwas außerhalb von Europa vorstellen, die MLS in den USA zum Beispiel oder auch China. Es geht mir dabei auch nicht primär ums große Geld, sondern eher darum etwas zu finden, das mich persönlich weiterbringt und wo ich noch drei oder vier Jahre spielen kann.
 
Wie halten Sie sich momentan fit?
Ich mache seit dem Sommer mein Trainingsprogramm, also fünf bis sechs Einheiten die Woche. Cardio, Ausdauer, Ball- und Techniktraining. Ich bin also körperlich topfit und könnte jederzeit in ein Mannschaftstraining einsteigen. Aber ich bräuchte natürlich ein bis zwei Wochen, um wieder den Rhythmus des Fußballs aufzunehmen.
 
Herr Ottl, gibt es Spiele in Ihrer Karriere, von denen Sie heute noch träumen?
Ich bin kein Nostalgiker, daher eigentlich nicht. Doch natürlich gibt es ein paar Spiele, die schöner waren als andere. Die Champions-League-Partien gegen Barcelona, Madrid oder Mailand. Oder mein Bundesligadebüt in Leverkusen, als Felix Magath in der Halbzeitpause zu mir sagte: »Mach dich fertig!«
 
Und Momente?
Sicherlich die Meisterschaften mit dem FC Bayern. Aber auch der Nichtabstieg mit dem 1. FC Nürnberg war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen will. Ich schaue mir diese ganzen Sachen trotzdem nicht täglich bei Youtube an und habe mir auch keine großformatigen Fotos von den Erfolgen an die Wand gehängt. Wenn Sie in meine Wohnung blickten, würden Sie nicht mal ahnen, dass ich Fußballprofi bin.