Andreas Beck über Terroranschläge und Kommerzvereine

»Dann sah ich die Panzer«

Andreas Beck wurde Deutscher und Türkischer Meister, erlebte einen Putschversuch und feierte im Nachtclub, in dem später der IS 39 Menschen tötete. Nun spielt er für die KAS Eupen. Ein Gespräch über Kommerzvereine, katarische Investoren und Kampfjets vor dem eigenen Fenster.

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Andreas Beck, wie viele Sprachen sprechen Sie? 

(Überlegt.) Puh, das müssten so vier bis fünf sein. Wieso? 

 

Dann kennen Sie bestimmt einige Übersetzungen für das Wort »Kommerzverein«. 

(Lacht.) Ja, das stimmt. Wobei ich das hier in Belgien selten gehört habe. 

 

Sie spielen seit Sommer bei der KAS Eupen. Der Verein steht in der Kritik, seit 2012 katarische Geldgeber der »Aspire Academy« den Klub gekauft haben. Davor...

... habe ich bereits für Hoffenheim gespielt, ich weiß. Zwei Klubs, die in den Medien oft kritisiert werden und vielen Fans ein Dorn im Auge sind. Die grundsätzliche Frage bei aller Kritik an diesen Modellen ist doch: Was gewichte ich stärker? Fußballromantik oder sportlichen Erfolg? 

 

Ihre Antwort lautet also: sportlicher Erfolg.

Jeder Fußballer will sportlichen Erfolg haben, auch in der Kreisklasse. Und ich habe auch für den VfB und Besiktas Istanbul gespielt, zwei große Traditionsklubs. Das habe ich sehr genossen. Umgekehrt habe ich mit dem Vorwurf des Kommerz allerdings nicht das größte Problem. Werfen Sie einen Blick nach England: Jedes Team hat dort einen großen Geldgeber, die Vereine werden nicht nur durch Fans im Stadion und am Bratwurststand finanziert. Eben wegen dieser finanziellen Stärke der Klubbesitzer verfolgen Zuschauer die Ligaspiele weltweit. Die Premier League ist uns inzwischen weit voraus. 

 

Die dortigen Geldgeber sind aber größtenteils nicht für ihre Menschenrechtsverletzungen bekannt. Der katarischen Regierung wird genau das vorgeworfen.

Ich laufe nicht mit Scheuklappen durch die Gegend. Aber man sollte von Sportlern auch nicht Lösungen für Probleme verlangen, mit denen sich selbst Experten schwer tun. 

 

Es ist Ihre Aufgabe, derartige Probleme zu ignorieren?

Nein. Aber es ist ja auch nicht so, dass dies ein Eupener Thema ist. Die Bayern haben eine Partnerschaft mit Katar, die Verhältnisse bei Paris St. Germain sind bekannt, die Fifa vergibt eine WM nach Katar. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will die Problematik damit nicht verdrängen. Aber durch »Aspire« spielt ein kleiner Klub wie Eupen in der ersten belgischen Liga und misst sich Woche für Woche mit anderen großen Vereinen. Das schafft Arbeitsplätze und verbessert die Infrastruktur in der ganzen Region. Es ist wie so oft: Alles hat zwei Seiten.

 

Womöglich landet deshalb ein weniger finanzstarker Verein in der Versenkung.

Das mag tatsächlich sehr schade sein – ist im Sport aber doch generell der Lauf der Dinge. Es ist ja nicht so, als ob hier Investoren gekommen wären und für 300 Millionen Euro die Topstars der Champions League mitgebracht hätten. Vielmehr profitiert der Klub von seinem Scoutingnetzwerk, mit dem wir eine wirklich junge und talentierte Truppe zusammengestellt haben. Das ist eine nachhaltige Entwicklung.

 

Trotzdem hängt die »Aspire Academy« eng mit dem katarischen Staat zusammen. Was bekommen Sie davon im Verein mit? 

Nicht sehr viel. Natürlich habe ich die Teamchefs kennengelernt, auch die katarischen Geldgeber habe ich schon mal kurz getroffen. Trotzdem wurden meine Vertragsgespräche auf deutsch geführt, alle Mitarbeiter im Klub sprechen meine Sprache. Auch durch diese einfache Verständigung habe ich mich schnell heimisch gefühlt.