Amerikanisch-Samoa zehn Jahre nach der 0:31-Schmach

»Ihr seid Teil der Familie!«

Im April 2001 unterlag Amerikanisch-Samoa mit 0:31 gegen Australien – ein Weltrekord-Ergebnis. Doch was geschah eigentlich danach? Ein Filmteam begab sich auf die Suche.

Mike Brett

Mike Brett, würden Sie sich als Fan der Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa bezeichnen?
Das Wort Fan würde nicht ausreichen, um unsere Verbindung mit den Spielern von Amerikanisch-Samoa ausreichend zu beschreiben. Sie sind wie eine Familie für uns.

Wie viel Zeit verbrachten Sie bei Ihrer neuen Familie, um Ihren Film »Next Goal Wins« zu realisieren?
Wir flogen zwei Mal für je zwei Monate in den Südpazifik. Beim ersten Besuch im Jahr 2011 spielte das Team noch um die Pazifik-Meisterschaften. Aber auch dort schied das Team tor- und punktlos in der Vorrunde aus. Gegen Neukaledonien und Vanuatu, ebenfalls nicht gerade die Großmächte im Fußball, verlor die Mannschaft jeweils 0:8. Als wir wenige Monate später das zweite Mal anreisten, hatte der Holländer Thomas Rongen den Trainerposten übernommen. Er hatte bis dahin vornehmlich in Nordamerika trainiert, Teams wie D.C. United, Toronto FC oder die U20-Nationelf der USA. Er sollte nun den Samoanern helfen, endlich mal ein Erfolgserlebnis zu feiern.

Eine schwierige Aufgabe. 
Absolut, schließlich hatte die Mannschaft seit 1983 alle Spiele verloren. Nach dem 0:31 gegen Australien im April 2001 gab es Ergebnisse wie 0:11 gegen Fidschi oder 1:12 gegen die Solomonen Inseln. Doch Rongen gelang es, der Mannschaft Selbstvertrauen zu geben. Im November 2011 gewann sie sensationell 2:1 gegen Tonga. Wenige Tage später schaffte sie ein 1:1 gegen die Cook Inseln.

Was ist er für ein Typ?
Im ersten Moment mag er ein wenig furchteinflößend wirken. Doch schnell merkten wir, dass er sein ganzes Herz der Verbesserung des Team widmete. Das ist schon deshalb schwierig, weil die Mannschaft kaum Erfahrungen sammeln kann. Das letzte Spiel fand etwa Ende 2011 statt. Freundschaftsspiele kommen selten zustande, da die Reisen aus dem Südpazifik viel zu teuer, lang und kompliziert sind. Allerdings wird die Mannschaft an den Qualifikationsspielen zur WM 2018 teilnehmen. Los geht's Ende August 2015, Amerikanisch Samoa ist in einer Gruppe mit Tonga, den Cook Inseln und Samoa. Nach den letzten Ergebnissen kann man sagen: Das ist machbar.



Amerikanisch-Samoa gilt trotz der letzten Erfolge als Lachnummer im internationalen Fußball. Hatte der Verband nicht Sorge, dass Sie eine Comedy drehen?
Durchaus. Es gab in der Vergangenheit ja schon einige Filmemacher, die den Verband kontaktiert haben. Doch dort herrschte immer sehr großes Misstrauen. Wir hingegen konnten die Verantwortlichen davon überzeugen, dass wir es ernst meinen. Daraufhin sicherten sie uns zu, dass wir den Film machen können.

Wie haben Sie es geschafft die Mannschaft und den Trainer von den Dreharbeiten zu überzeugen?
Wir haben unseren Worten Taten folgen lassen. Zu viert sind wir in den Flieger gestiegen und haben 10.000 Meilen zurückgelegt. Ich erinnere mich noch an die erste Nacht: Der Chef des Verbandes rief das Team zusammen, in einem Kreis sitzend redete er auf samoanisch auf die Spieler ein. Dann stand er auf, drehte sich zu uns um und sagte: »Ihr Engländer liebt den Fußball genauso wie wir es tun – ihr seid nun Teil der samoanischen Familie!«

Sind noch Akteure aktiv, die bei der 0:31-Niederlage gegen Australien dabei waren?
Ja, der wichtigste von allen: Torhüter Nicky Salapu. Er hütet immer noch den Kasten. Ein unglaublicher Kerl! Mit seinen Paraden hat er in vielen Begegnungen eine höhere Niederlage verhindert.

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Interview: Matthias Biesel
Die Dokumentation »Next Goal Wins« ist heute und Samstag beim Fußballfilmfestival 11mm zu sehen. Weitere Infos und Tickets bekommt ihr hier >>