Als St. Pauli ins DFB-Pokal-Halbfinale kam

»Es war ein Desaster«

In der Saison 2005/06 machten Sie 17 Spiele und kamen in allen Pokalpartien zum Einsatz. Die Presse war nach den Bremen- oder Bochum-Spielen voll des Lobes für Sie. Trotzdem hat es nie für die Bundesliga gereicht. Warum?
Die Saison 2005/06 war definitiv meine beste. Aber ich konnte meine Leistung immer recht gut einschätzen. Ich war stets Nummer zwölf bis 15. Immerhin habe ich einen Beinahe-Bundesliga-Einsatz.
 
Wie kam’s?
Nach drei Jahren bei Holstein Kiel ging ich 2010 nach Hamburg zurück. Ich begann auf der Pressestelle des FC St. Pauli zu arbeiten und kickte nebenbei für die zweite Mannschaft. Eines Tages klingelte mein Handy: Stanis Nummer. »Wie schnell kannst du beim Training sein?«, fragte er. Ich dann: »Wieso?« Er: »Wir brauchen dich! Sofort!« Damals waren sechs von zehn Defensivspielern verletzt.
 
Wie reagierten die Profis?
Ich blickte in sehr viele fragende Gesichter. Vor allem Gerald Asamoah hat sehr ungläubig dreingeschaut. Normalerweise kam ich ja nicht mit Sporttasche in die Kabine, sondern mit Stift und Zettel, um Interviews für die Homepage oder die Stadionzeitung zu führen. Gegen Hannover 96 saß ich schließlich tatsächlich auf der Bank. Als Schnecke (Jan-Philipp Kalla, d. Red.) nach einem Foul am Boden lag, bekam ich es kurz mit der Angst zu tun: »Alter«, dachte ich. »Wenn der nicht aufsteht, muss ich spielen.« Aber es ging weiter für ihn, und so wurde nichts aus meinem ersten Bundesligaeinsatz.
 
Einen großen Auftritt hatten Sie aber noch. Im Sommer 2014 spielten Sie wieder im DFB-Pokal.
Ich ließ meine Karriere beim Oberligisten USC Paloma ausklingen. 2014 qualifizierten wir uns für die erste Pokalrunde. Der Gegner: die TSG Hoffenheim. Es war ein Desaster.
 
Haben Sie Ihre Mitspieler nicht an die Bokalsaison 2005/06 erinnert?
Natürlich habe ich gesagt, dass man gegen Bundesligisten nicht ängstlich auftreten darf. Aber es war nichts zu machen. Wir kamen nur einmal an den Strafraum der Hoffenheimer, und hinten wirkten wir trotz Fünferkette wie ein Schweizer Käse.
 
Paloma verlor 0:9.
Ich war am Vorabend auf der Hochzeit meines besten Freundes. Ich hätte da richtig feiern können, aber ich hatte die ganze Zeit das Spiel gegen Hoffenheim im Hinterkopf und hielt mich deswegen sehr zurück. Im Rückblick hätten wir vermutlich alle die Nacht durchzechen können, schlechter hätten wir auch dann nicht gespielt.
 
Am 25. Januar steigt in Hamburg die nächste »Bokalfieber«-Party. Live dabei sind neben ARD-Moderator Reinhold Beckmann (der damals das Spiel fürs Fernsehen kommentierte) zahlreiche Ex-Profis: Fabian Boll, Fabio Morena, Timo Schultz, Marcel Eger, Florian Lechner, Ralph Gunesch und Hauke Brückner. Mehr Infos und Tickets zu dem historischen Public Viewing FC St. Pauli – Werder Bremen bekommt ihr auf der »Bokalfieber«-Facebook-Seite.