Als sich Jürgen Klopp und Campino zum großen Interview trafen

»Wenn nicht ich hier Trainer sein darf, dann bitte du!«

Als Jürgen Klopp gerade als Trainer beim FC Liverpool begonnen hatte, baten wir ihn zum Gespräch. Mit dabei, sein vielleicht größter Fan: Campino. 

Paul Ripke
Heft: #
174

Das Interview erschien in Ausgabe #174 im April 2016. Erstmals veröffentlichen wir es auch online. 

Campino, was war Ihr erster Gedanke, als Jürgen Klopp Trainer Ihres Lieblingsvereins FC Liverpool wurde?
Campino: Dass meine Freunde in Liverpool einen guten Riecher hatten. Sie haben mich nämlich schon gegen Ende der letzten Saison ständig darauf angesprochen, ob ich nicht was regeln könne. Nach dem Motto »Can’t you call Jurgen?« Mein zweiter Gedanke war: Wenn ich es schon nicht machen darf, dann bitte er.
Klopp: Oha, das ist vermutlich das größte Lob, das ich bislang bekommen hab!
Campino: Du lachst, aber das muss ich erklären. Ich verfolge die Reds seit meinem elften Lebensjahr. Liverpool stand immer für mein England und deshalb irgendwie auch für meine englische Mutter, und erst einmal unweigerlich in Opposition zu meinem deutschen Vater. Deshalb konnte ich mir lange nicht vorstellen, dass es hier mal deutsche Spieler oder Trainer geben würde. Dann kam als erster Kalle Riedle und war sehr beliebt, später folgten Markus Babbel und Didi Hamann, der heute zu den Legenden des Klubs zählt. In solchen Momenten ist der deutsche Teil in mir schon ein wenig stolz. Dass du jetzt hier Manager bist, ist natürlich noch mal eine andere Dimension.

Jürgen Klopp, wann wurde Ihnen klar, dass Sie als Trainer des FC Liverpool auch für Campinos seelisches Wohlbefinden zuständig sind?
Klopp: Ich wusste schon länger, dass er Fan ist. Aber erst als wir uns kennengelernt haben, hat er mir erzählt, wie intensiv er das betreibt, mit Jahreskarte und häufigen Besuchen. Und es gibt zweifellos leichter zu erreichende Städte. Wie Campino es macht, vor und nach dem Spiel in Liverpool unterwegs zu sein, so würde ich es auch machen, wenn ich könnte. In Dortmund ist so ein Full Package auch möglich, vier Stunden vorm Spiel am Stadion zu sein und drei Stunden danach noch im Strobels herumzuhängen, der Kneipe nebenan. Das ist der Fußball, wie wir ihn bei aller Veränderung am meisten lieben, da kommen wir schließlich alle her.

Campino, wie oft kommen Sie nach Liverpool?
Campino: Das hängt davon ab, ob meine Band und ich auf Tournee sind oder gerade ein Album aufnehmen. Dann geht auch zeitweise mal für mich nichts, aber zu anderen Zeiten besuche ich die Spiele regelmäßig. So um die zehn Mal pro Saison bin ich normalerweise hier, der Rest wird im Fernsehen geguckt. Meine Dauerkarte nutzen dann Freunde.

Herr Klopp, was können Sie von Campino noch über den Klub lernen?
Klopp: Bestimmt eine unendliche Menge, denn ich fände es vermessen zu sagen, dass ich nach einem halben Jahr nichts mehr lernen müsste. Worüber ich inzwischen viel weiß, sind die internen Abläufe, denn die sind für mich relevant. Hier bin ich angekommen, und hier habe ich auch gleich gemerkt: Das ist ein unfassbar geiler Klub! Ich habe nach Mainz und Dortmund zum dritten Mal Glück gehabt, weil der FC Liverpool zwar eine Riesennummer mit globaler Bedeutung ist, aber hier drin in unserem Headquarter in Melwood ist er eine totale Familie.

Campino, was würden Sie Jürgen Klopp über Ihren Verein erklären wollen?
Campino: Das ist Blödsinn. Was sollte ich Jürgen Klopp noch über Liverpool erzählen, was er inzwischen nicht schon viel besser weiß? Ausgenommen die Mannschaftsaufstellung vom UEFA-Cup-Sieg 1972/73 vielleicht. Ich könnte ihm bestenfalls einen Tipp geben, wo es in Liverpool welches Bier vom Fass gibt und wo man anständig feiern kann.
Klopp: Es wäre extrem lässig, ein Bier trinken zu gehen, aber ehrlich gesagt, war es schon in Dortmund nicht mehr möglich. Hier in Liverpool war ich nach der Vertragsunterzeichnung mit meiner Frau und meinem Co-Trainer Piet Krawitz abends um die Ecke vom Hotel in einem Pub. Da stand das Bier schon vor uns, bevor wir bestellen konnten, und die lokalen It-Girls haben uns gleich in Beschlag genommen. Am nächsten Tag kursierte ein Foto, auf dem ich auf der rechten Schulter die Brüste einer Frau und auf der linken die einer anderen liegen hatte. Dabei hatte das Foto meine Frau geschossen.
Campino: Der Fußball-Popstarfaktor ist in England viel größer als in Deutschland.