Almuth Schult über die deutschen WM-Chancen und frische Eier vom Bauernhof

»So erfolglos waren wir nicht«

Nach dem frühen EM-Aus 2017 müssen sich die DFB-Frauen beweisen. Torfrau Almuth Schult über die deutschen WM-Gegnerinnen, die Chancen auf den Titel und Lebensmittellieferungen an ihre Kolleginnen. 

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Almuth Schult, kann es sein, dass der Favoritenkreis bei dieser WM so unübersichtlich wie selten ist?
Das kann man so sehen. Tatsächlich gibt es immer mehr Länder, die im Frauenfußball nach vorne drängen. Die Wenigsten hätten zum Beispiel damit gerechnet, dass Holland bei der letzten EM den Titel gewinnt. Wobei bei einem solchen Turnier ja sowieso nicht immer die Mannschaft gewinnt, die den attraktivsten Fußball spielt. Bei den Männern ist Griechenland 2004 Europameister geworden, und alle haben gedacht: »Huch, wie ist das denn passiert?«

Das war nicht gerade eine Sternstunde des Qualitätsfußballs.
Aber eine Sternstunde der Effektivität. Die Griechen haben aus ihren Möglichkeiten das Beste gemacht.

Mit wem außer den üblichen Verdächtigen müssen wir bei der Frauen-WM rechnen?
Wer sind denn die üblichen Verdächtigen?

Die USA, Frankreich, Deutschland, Schweden, Japan, Brasilien.
Da gibt es schon noch ein paar andere. Die Engländerinnen zählen mittlerweile zur Weltspitze. Kanada hat Bronze bei den Olympischen Spielen gewonnen. Australien hat ein paar sehr gute Spielerinnen, die in der US-Profiliga auftrumpfen. Nicht zu vergessen die bereits erwähnten Holländerinnen und Spanien.

Wie schätzen Sie die deutsche Gruppe ein?
Es hätte schlimmer kommen können, wäre aber auch leichter gegangen. Wir haben mit Spanien und China eine spielstarke Gruppe, was aber besser ist, als wenn sich die Mannschaften nur hinten reinstellen. Zudem können wir mit spielerisch starken Teams ganz gut umgehen, weil wir selbst eine recht körperbetonte Spielweise haben. Auf Südafrika bin ich selbst gespannt, die afrikanischen Teams sind meist eine Wundertüte.

Der stärkste Gegner ist aber Spanien?
Die Spanierinnen muss man auf jeden Fall auf der Rechnung haben. 2012 haben wir gegen sie noch locker 5:0 gewonnen, im letzten Herbst nur 0:0 gespielt. Das sagt schon einiges aus. Und wenn man sieht, dass dort neulich beim Ligaspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona mehr als 60 000 Zuschauer im Sta­dion waren, dann weiß man, dass sich da gerade einiges entwickelt.

Wer wird der große Star der Weltmeisterschaft?
Dadurch, dass die Französinnen die Gastgeberinnen sind, wird ein großer Fokus auf ihren Spielerinnen liegen. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Eugénie de Sommer oder Amandine Henry eine überragende Rolle spielen. Aber warum nicht auch unsere Dzsenifer Marozsan, die bei Olympique Lyon unter Vertrag steht und in Frankreich äußerst beliebt ist. Ich hoffe, dass es sie besonders anspornt, wenn sie quasi in ihrem eigenen Wohnzimmer spielt.

Deutschland hat zum letzten Mal vor zwölf Jahren den WM-Titel gewonnen. Wird mal wieder Zeit, oder?
WM-Titel möchte man immer gewinnen, das ist eine tolle Erfahrung. Aber es ist ja nicht so, dass wir in den letzten Jahren gänzlich erfolglos waren. Wir haben die EM 2013 gewonnen und sind amtierender Olympiasieger. Das ist für Frauen das zweitgrößte Turnier nach der Weltmeisterschaft. Wenn mich jemand fragt, wann reißt ihr denn mal wieder was nach dem Viertelfinal-Aus bei der letzten EM, dann antworte ich: So schlecht waren die letzten Jahre nun auch nicht.