Alfredo Morales über seine Jugend im Wedding und Schießereien vor seiner Haustür

»Große Fresse, Berliner Schnauze«

Alfredo Morales ist ein harter Hund – und hat es aus dem Wedding in die Bundesliga geschafft. Im Interview erzählt er, wie man sich den Kiefer ausrenkt, warum vor seiner Wohnung mal ein Hubschrauber landete und wie man bei »taff« einen Fernseher gewinnt. 


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Alfredo Morales, Sie haben sich mal als »Krieger auf dem Platz« bezeichnet. Wie viele blaue Flecken haben Sie am Morgen nach einem Bundesligaspiel?
Das ist ganz unterschiedlich. Aber ein paar Blessuren habe ich immer. Das bleibt nicht aus, wenn man mit vollem Einsatz dabei ist. Unser Doc hat mal gesagt, dass Eishockey eigentlich der bessere Sport für mich wäre. (Lacht.)



Was war die schmerzhafteste Erfahrung Ihrer Karriere?

Ich bekomme öfters Ellenbogen an den Kopf. Das tut wirklich weh und kann auch sehr schnell eine Gehirnerschütterung zur Folge haben. Richtig unangenehm wird es, wenn man nach einem Ellenbogen-Check für kurze Zeit nicht richtig sehen kann, alles nur verschwommen wahrnimmt. Das ist mir einmal während meiner Zeit in Ingolstadt passiert. Die ekligste Erfahrung war aber eine andere. 



Und zwar?

Vergangene Saison bin ich im Spiel gegen Leverkusen Kevin Volland hinterher gerannt. Ich war direkt hinter ihm – und auf einmal stoppte er abrupt ab und blieb stehen. Ich bin mit voller Wucht gegen seinen Hinterkopf gerannt – und habe mir den Kiefer ausgerenkt. Plötzlich konnte ich den Mund nicht mehr aufmachen. Ein echtes Scheißgefühl. Kurz bekam ich Panik, weil es sich extrem unnatürlich anfühlt, wenn man ein Körperteil nicht bewegen kann, obwohl man es versucht. Aber dann kam unser Arzt und hat mir den Kiefer mit einem gezielten Handgriff noch auf dem Platz wieder eingerenkt, so dass ich weiterspielen konnte. 



Gehen Sie nach einer schmerzhaften Verletzung etwas vorsichtiger ins nächste Spiel?
Nee, eine Bremse gibt’s bei mir leider nicht. Außerdem kann ich Schmerzen kontrollieren. Ich rede nicht von einem offenen Bruch, so etwas ist schlimm, da kannst du als Spieler auch nicht im Kopf gegen ankämpfen. Doch wenn mir zum Beispiel jemand mit seinen Stollen auf den Zeh tritt, dann sind das für einen kurzen Moment zwar katastrophale Schmerzen, aber im Spiel, mit all dem Adrenalin, kann ich sie ausblenden. Schmerzen sind, bis zu einem gewissen Grad, eine mentale Sache. 



Haben Sie schon immer so gespielt?
Ja, eine gewisse Aggressivität, was meinen Spielstil angeht, hatte ich schon immer in mir. Als ich jünger war, war ich sogar noch etwas wilder. 



Gab es da Aussetzer?

Das nicht, aber allein statistisch gesehen war es alles noch einen Tacken härter. In einer A-Jugend-Bundesliga-Saison habe ich mal in 25 Spielen 17 Gelbe Karten gesehen. Und eine Gelb-Rote. Früher bin ich in Zweikämpfen »All in« gegangen. Da gab es nur zwei Möglichkeiten: Ballgewinn oder Foul. 



Haben Sie mal einen Gegenspieler richtig übel erwischt?

Ich bin kein klassischer Treter, keiner, der zur Blutgrätsche ansetzt. Ich spiele einfach hart, schiebe meinen Körper rein, bin unangenehm. Natürlich erwische ich auch manchmal einen Gegenspieler am Fuß, das ist ganz normal. Aber dass ich vorsätzlich wen umgemäht hätte? Auf keinen Fall. Das macht, glaube ich zumindest, niemand. Wenn überhaupt, passiert das Leuten im Frust. Aber solche Aussetzer hatte ich zum Glück nie.

Gibt es einen Spieler, bei dem Sie vor dem Spiel denken: »Och Nö, das tut heute sicher weh…«?
Es gibt viele harte Hunde. Eigentlich hat jede Mannschaft einen Kandidaten für den Job. Gerade die großen, schweren Kerle tun weh. Aber Gedanken dieser Art habe ich vor Spielen nicht. Das ist mir alles egal. Wenn es sein muss, gerate ich auch mit Arturo Vidal aneinander. Mit dem stand ich auch schon mal Kopf an Kopf… (Lacht.)

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