Alexander Zorniger über den VfB-Neustart

»Feuert auch die zweite Patrone ab!«

Der VfB Stuttgart will unter Alexander Zorniger wieder attraktiven Offensivfußball anbieten. Für unsere neue Ausgabe sprachen wir mit ihm über Hausbesuche bei Huub Stevens, den neuen VfB – und Mel Gibson.

Imago
Heft: #
165

Alexander Zorniger, was für eine Atmosphäre haben Sie bei Ihrem Amtsantritt in Stuttgart vorgefunden?
Ich habe den Eindruck, dass mir mit viel Respekt und Vorfreude entgegengetreten wird. Was ich aber auch spüre, ist ein tief verwurzelter Respekt vor dem, was sich hier in den vergangenen Jahren abgespielt hat.

Was meinen Sie damit?
Wenn ein Klub über lange Zeit  hinter den Erwartungen zurückbleibt, geht er nicht tiefenentspannt in die neue Runde. Das ist doch logisch. Es muss sich erst zeigen, ob die neue Spielweise, die wir hier initiieren wollen, dazu beitragen kann, um die Leute wieder zu begeistern. Aber ich kann sagen, dass ich auf eine große Offenheit gestoßen bin. Schon nach wenigen Einheiten konnte ich sehen, dass die Mannschaft keine Vorbehalte hat, mit meinen Vorstellungen umzugehen.

Woran erkennen Sie das?
Mimik, Gestik, Körpersprache. Wenn Sie die Spieler direkt ansprechen, lässt sich das sehr schnell feststellen. Ich habe gewisse Impulse gesetzt und  schnell gemerkt: Da kommt was zurück.

In einem Traditionsklub wie dem VfB herrscht auch im Umfeld stets ein hohes Anspruchsdenken.
Warum auch nicht? Die Fans sollen Ansprüche haben. In Württemberg sind viele Weltmarktführer zuhause. Da wäre es doch tragisch, wenn die Leute ausgerechnet beim Fußball sagen: »Wir sind zufrieden, wenn der VfB in den nächsten zehn Jahren nicht absteigt.« Aber ich glaube, dass der hohe Anspruch inzwischen mit einem realistischen Blick auf die Dinge einhergeht. 

Mit Ihnen als Trainer versucht der VfB mal wieder einen Neuanfang. Unter Ihrer Federführung soll der Klub ein einheitliches, offensives Spielsystem bekommen.
Das heißt aber nicht, dass es nur einen einzigen gangbaren Weg gibt. Was ich vermitteln möchte, entspricht eher den Begrenzungen an einer Straße, in deren Bereich man seine Linie behalten muss, sich ansonsten aber frei bewegen kann.

Wie müssen wir uns Ihre Leitplanken vorstellen?
Ich will einerseits fußballerische Leitbilder vermitteln, andererseits aber auch Werte wie Respekt, Leidenschaft und Dankbarkeit dafür, dass man diesen Job machen darf. Dinge, die dringend benötigt werden, um diese neue Spielweise auszufüllen.

Mit anderen Worten: Demut?
Die gehört auch dazu, aber man darf auch nicht in Demut verharren. Ich bin, wie Sie wissen, noch nicht so lange Profitrainer. Ich habe 2009 als Co-Trainer beim VfB Stuttgart gearbeitet, war in Großaspach in der Regionalliga, habe Leipzig von der 4. In die 2. Liga geführt und habe vorher beim Württembergischen Tennisbund gearbeitet. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es sei stets mein Traum gewesen, eines Tages in der Bundesliga zu sein.

Sondern?
Mein Ziel war bei allen Dingen, die ich gemacht habe, an mein Maximum zu gehen.

Das werden Sie in Ihrer neuen Funktion ganz sicher müssen.
Und darauf freue ich mich. Denn ich weiß, was für eine Kraft ich im Umgang mit Menschen entwickeln kann. Ich liebe es, Teams zusammen zu stellen und Fähigkeiten aus Spielern heraus zu kitzeln.

Hohe Ansprüche, die sehr viel Energie kosten.
Das mag sein. Ich möchte für möglichst viele Spieler der beste Trainer sein, den sie je hatten. Ob das den fußballerischen, den rein taktischen oder menschlichen Bereich betrifft, ist dabei nicht entscheidend. Mit diesem Anspruch gehe ich auf die Leute zu. Und solange sie diesen Respekt erwidern, kommen alle gut mit mir aus.