Admir Mehmedi über Konflikte mit seinem Vater und sein Verhältnis zu Christian Streich


»Ich habe Messi ins Leere laufen lassen«

Haben Sie noch Kontakt?
Klar, wir schreiben von Zeit zu Zeit. Zu besonderen Ereignissen beglückwünschen wir uns  beispielsweise immer.

Im ersten Jahr unter Streich überzeugten Sie. Im zweiten Jahr stiegen Sie gemeinsam ab.
Die Saison war brutal. Das war das schlimmste, was ich als Fußballer erlebt habe. Ein Abstieg ist fürchterlich. Gerade, wenn man so verbunden ist mit einem Klub wie ich damals mit Freiburg. Das war für mich mehr als ein Klub. Wenn man all die Leute, die man so gerne hat, so wahnsinnig niedergeschlagen sieht, und man weiß, man ist Teil des Grundes, Teil der Abstiegsmannschaft, dann tut das weh. Wäre ich damals älter gewesen, ich wäre wahrscheinlich geblieben. Aber zu dem Zeitpunkt musste ich nach Leverkusen gehen.

Über Leverkusen landeten Sie in Wolfsburg und blühten in der vergangenen Saison unter Bruno Labbadia wieder auf. Wie war die Laune, als Sie erfuhren, dass Labbadia aufhört?
Man muss Entscheidungen akzeptieren. Als Spieler kann ich nicht darauf hoffen, dass ein Trainer, mit dem ich gut zurechtkomme, mich mein Leben lang trainiert. Das war nicht der erste Trainerwechsel, den ich in meiner Karriere erlebt habe.


Bild: imago images

Wissen Sie, Ihr wievielter Profitrainer Oliver Glasner ist?
Warten Sie, das müsste ich hinbekommen. (Zählt nach.) Mit Oliver Glaser? Und Nationalmannschaft? 12.

Mit Oliver Glasner sind es 14. Entwickelt man irgendwann eine gewisse Routine in Bezug auf die ersten Einheiten unter einem neuen Trainer? Dahingehend, dass man sich nicht zu sehr unter Druck setzt, dass man zu Beginn nicht verkrampft und gleich alles auf einmal zeigen will?
Zeit ist ein wichtiger Faktor im Fußball. Wenn man sagt: »Ich habe Zeit«, dann wird man von rechts und links überholt. Trotzdem glaube ich natürlich, dass sich der Trainer schon vorab ein Bild von der Mannschaft gemacht hat, dass er die einzelnen Spieler kannte. Ich glaube nicht, dass alles bei Null anfing.

Was macht Oliver Glasner anders als Bruno Labbadia?
Wir spielen extrem intensiv, dynamisch, sehr proaktiv, gerade was das Anlaufen angeht. Alles passiert im Vollsprint. Es hat große Ähnlichkeiten mit dem, wie wir in Leverkusen unter Roger Schmidt gespielt haben. Im Training erkenne ich beispielsweise manche Übungen von damals wieder. Glasner war ja einst sein Co-Trainer.

Bleibt bei all den Sprints die nötige Kraft übrig, um am Ende vor der Hütte noch konzentriert zu sein?
Vorneweg: Wenn man als Spieler die Philosophie des Trainers nicht akzeptiert, ist man fehl am Platz. Speziell bei der Art und Weise, wie wir spielen wollen, ist es unglaublich wichtig, dass alle mitmachen. Sonst funktioniert es nicht. Aber wenn das System funktioniert, dann macht es richtig viel Bock. Vor allem als Stürmer ist es spannend. Im Idealfall haben wir sehr viele Balleroberungen und danach nur kurze Wege zum Tor. Insofern ergeben all die Sprints total Sinn. Außerdem bin ich ja ohnehin nicht der Vollblutstürmer, der auf Teufel komm raus so viele Buden wie möglich machen muss. Ich möchte attraktiven Fußball spielen. Ich schieße lieber ein außergewöhnliches Tor als zwei »normale«. Ich spiele lieber einen schönen Pass, der zum Tor führt, als den Ball über die Linie zu grätschen.

Was war die schönste Szene ihrer bisherigen Karriere?
Ich habe gegen Lionel Messi im WM-Achtelfinale 2014 eine Pirouette gemacht – und ihn dabei ins Leere laufen lassen!