Admir Mehmedi über Konflikte mit seinem Vater und sein Verhältnis zu Christian Streich


»So etwas hatte ich in der Schweiz noch nie gesehen«

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?
Angefangen hat alles auf dem Pausenhof in der Schule, da haben wir mit einem Stoffball gekickt. Einmal in der Woche, immer mittwochs, wenn wir am Nachmittag schulfrei hatten, durften wir Kids beim örtlichen Verein Bellinzona mit trainieren. Allerdings kostete das einen Jahresbeitrag von 100 Franken. Und mein Papa hat sich geweigert, das zu bezahlen. Er wollte immer, dass ich in der Schule erfolgreich bin – und abseits davon durch nichts Anderes abgelenkt werde.

Zumindest das mit der Ablenkung hat nicht so richtig funktioniert…
Weil mein Bruder seine Unterschrift gefälscht hat, so dass ich trotzdem bei Bellinzona dabei sein konnte. Irgendwann kam dann die Rechnung bei uns zu Hause an.

Gab es Ärger?
Er fand es nicht so lustig. Bis ich 15 Jahre alt war, wollte er nicht, dass ich spiele. Irgendwann hat er aber zum Glück eingesehen, dass es für mich Sinn ergibt, Energie in meine Fußballkarriere zu investieren. Eine vierjährige kaufmännische Lehre und meine Lehrabschlussprüfung musste ich trotzdem machen.

Klingt nach Doppelbelastung.
Ein zweites Standbein war mir immer wichtig. Ich war mir früh darüber bewusst, dass eine einzige Verletzung reichen würde, um meinen Traum zu beenden. Und vielleicht werde ich meinen Abschluss ja irgendwann auch noch brauchen. Außerdem konnte ich damals nicht ahnen, dass ich meine Karriere in der Bundesliga verbringen würde. Wenn man zehn Jahre Profi in der Schweiz ist, hat man danach nicht zwangsläufig ausgesorgt. Von dem Geld, das man als Profi in der Schweiz verdient, kann man nicht ewig leben. Einige meiner ehemaligen Mitspieler vom FC Zürich gehen heutzutage wieder ganz normal arbeiten.


Bild: imago images

Aber eine Art Vorahnung scheinen Sie in Hinblick auf Ihre Karriere gehabt zu haben. Angeblich versprachen Sie schon als kleiner Junge einer älteren Frau, Ihr später mal ein Haus zu bauen, sollten Sie Profi werden.
Leider ist diese Geschichte irgendwann öffentlich geworden, das war nie das Ziel. Aber es stimmt: Ich habe als Achtjähriger, als ich mit meinen Eltern in Gostivar zu Besuch war, einer Frau dieses Versprechen gegeben.

Wie kamen Sie darauf?
Wir waren damals bei der Frau eingeladen, im Rahmen einer Hochzeit. Ihr Haus glich einer Notunterkunft, es war extrem ärmlich. So etwas hatte ich in der Schweiz noch nie gesehen. Damals fragte ich meine Eltern: »Warum sieht es hier so aus?« Sie erklärten mir, dass sich die Familie nichts anderes leisten könne. Ich sagte: »Wenn ich eines Tages Fußballer werde, baue ich der Familie ein Haus.«

Und daran haben Sie sich nach all den Jahren von erinnert?
Ja.

Standen Sie mit der Frau in Kontakt?
Nein. Aber mein Vater, ganz lose. Er hat sich dann auch um alles gekümmert und den Hausbau in die Wege geleitet.

Haben Sie sich das fertige Haus schon angeschaut?
Nein, es liegt etwas außerhalb. Und wenn ich dort bin, stehe ich auch immer unter Zeitdruck. Ich besuche die Verwandten meines Vaters, die Verwandten meiner Mutter.