Admir Mehmedi über Konflikte mit seinem Vater und sein Verhältnis zu Christian Streich


»Mein Bruder hat die Unterschrift gefälscht«


Admir Mehmedi wurde in Jugoslawien geboren, wuchs in der Schweiz auf und spielte Fußball in der Ukraine. Sein Glück fand er letztendlich in der Bundesliga. Ein Gespräch über Taschengeld, Anrdij Schewtschenko und gefälschte Papiere. 

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Admir Mehmedi, Sie kamen in einem Land zur Welt, das es heute nicht mehr gibt. Haben Sie Erinnerungen an Ihre ersten Lebensjahre in der mazedonischen Stadt Gostivar, die damals noch zu Jugoslawien gehörte?
Nein, leider nicht. Ich lebte in Gostivar ja nur bis 1993. Da war ich gerade mal zwei Jahre alt. Danach zog ich gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Mutter zu meinem Vater in die Schweiz.

Haben Sie trotzdem einen Bezug zur Stadt?
Natürlich. Ich versuche einmal im Jahr meine Verwandtschaft dort zu besuchen. Ich möchte, dass auch meine beiden Kinder sehen, wo unsere Familie herkommt. Später können sie sich dann aussuchen, wo es ihnen besser gefällt.

Was ist Gostivar für ein Ort?
Gostivar ist für mazedonische Verhältnisse eine relativ große Stadt, mehr als 100.000 Menschen leben dort. Die Kultur unterscheidet sich stark von der in der Schweiz. Der größte Unterschied zu Westeuropa ist sicherlich die Art und Weise, wie die Menschen dort Auto fahren. Es ist wesentlich chaotischer.

Warum wollten Ihre Eltern die Stadt verlassen?
Der Antrieb war, dass wir Kinder in der Schweiz eine bessere Perspektive haben würden. Deswegen ist mein Vater schon fünf Jahre vor meiner Mutter und uns Kindern ins Tessin gezogen. Er wollte uns dort zunächst etwas aufbauen. Er hätte es auch bequemer haben können. Es ging ihm in der Heimat ja nicht schlecht.

Er war Direktor einer großen Holzfirma.
Er war verantwortlich für 300 Mitarbeiter, hatte ein eigenes Büro, einen großen Schreibtisch. Sein erster Arbeitsplatz in der Schweiz war dann ein Pferdestall.

Kam er damit mental zurecht?
Er ist studierter Ökonom, den Job im Stall hat er dementsprechend nur gemacht, um überhaupt etwas Geld zu verdienen. Aber es ging für ihn Stück für Stück aufwärts. Vom Stallburschen zum Tellerwäscher, vom Tellerwäscher zum Pizzabäcker.

In was für Verhältnissen sind Sie im Tessin aufgewachsen?
Wir waren nicht arm. Wir hatten jeden Abend etwas zu Essen auf dem Tisch. Aber im Vergleich zu anderen Menschen in der Schweiz waren wir natürlich auch nicht reich. Wir wohnten in einem Wohnblock, zu viert in einer 60-Quadratmeter-Wohnung. Ich habe kein Taschengeld bekommen, nie. Dafür hätte das Geld einfach nicht gereicht. Bekam mein Vater mal zwei Franken Trinkgeld, ging er davon Bananen oder Äpfel einkaufen. Die Verhältnisse waren limitiert.

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